|
|
Werdegang einer Banater Gemeinde
Kolonisation
1768 erstattete Zacharias
Sax der Temeschburger Zentralstelle die Meldung, dass er für 200
Familien auf dem Praedium Bogáros die Aussteckung des neu
anzusiedelnden kommenden Dorfes Bogarosch'' vollführt habe. Zwischen
1768 und 1769 ist unsere Gemeinde errichtet worden.
Die
Bogaroscher Kolonisten stammen aus folgenden Gebieten: Lothringen 34,7
%, Luxemburg 20,3 %, Rheinland 8,4 %, Pfalz 6,1 %, Bayern (Franken) 5,4
% Saarland 4,9 %, aus dem Reich 4,9 %, Baden-Württemberg 4,1 %,
Schlesien 3,0 %, Elsaß 2,9 %, Hessen 1,6 %, Österreich 1,0 %, Böhmen
0,9 %, Mähren 0,4 %, Sachsen 0,3 %, Westfalen 0,2 %, Preußen 0,1 %
Bei der Übernahme des Hauses erhielten die Kolonisten die notwendigsten
Einrichtungs- und Wirtschaftsgegenstände, Zugtiere und eine Kuh, welche
bezahlt werden mussten. Die Felder waren frei. Der Ort ist für 200
Hausnummern ausgemessen worden, von denen 16 halbe Sessionen waren.
Die erste Aussaat auf einem Teil ihrer Felder fand im Oktober des
Jahres 1769 statt. Das Gebiet unseres Gemeindehotters war, trotzdem es
unter Bearbeitung stand, verwildert. Mit welcher Mühe und mit welcher
Ausdauer unsere Ahnen ihre Arbeiten verrichten mussten, können wir uns
kaum vorstellen. Hölzerne Pflüge, Eggen aus Holz, Wagen mit hölzernen
Achsen und dazu noch überaus schlechte Straßen.
Laut Ansiedlungsverordnung hatten die Einwanderer eine sechsjährige,
die Gewerbetreibenden aber eine zehnjährige Steuerfreiheit. Jedoch
wurden schon 1773 die Steuerlasten von den Jahren 1770 bis 1773
rücksichtslos eingetrieben. Viele Kolonisten konnten ihren
Verpflichtungen nicht nachkommen, trotzdem man sie mit fortwährenden
Exekutionen drohte. Außerdem hatten die Eingewanderten während der
Robottleistung seitens des Patronatsherrn schwer zu leiden. Es
ereigneten sich viele Ungerechtigkeiten. Nicht anders ging es beim
Verabfolgen des ,,Zehends''. War der Schnitt vollendet und stand alles
auf Kreuzen, musste vor allem das Übereinkommen - bezüglich des zehnten
Teiles - mit der Herrschaft getroffen werden. Bei diesem Übereinkommen
kam gar oft Willkür des Beamten vor, welche immer nur mit dem Schaden
des Kolonisten endete. Dieses unbarmherzige Vorgehen der Behörden zwang
viele Kolonisten dazu, dass sie Haus und Hof stehen ließen und einfach
davongingen. Schon unterwegs, auf den überfüllten Zillen und Schiffen,
bedingt durch die in den Überschwemmungsgebieten der Flüsse lebenden
Krankheitserreger (zB die Anophelesmücken), kamen viele Erkrankungen
vor, und wenn dann die Siedler nach wochenlangen Wasserfahrten endlich
ankamen, waren ihre Widerstandskräfte stark geschwächt, die Menschen
seuchenanfälliger, so dass in den ersten Jahren zusätzlich große
Sterbeopfer zu verzeichnen waren. So hat 1776 der Temeswarer
Güterverwalter Johann Georg Wallbrunn bezüglich der Gemeinde Bogarosch
eine Liste mit 44 Hausnummern erstellt deren Insassen verstorben,
durchgegangen oder abgewirtschaftet waren.
|