|
|
Werdegang einer Banater Gemeinde
Persönlichkeiten - Josef Ferch
Josef Ferch
Lehrer und Oberlehrer in Bogarosch
Josef Ferch wurde am 31. Januar 1840 als Sohn des Oberlehrers Mathias
Ferch und seiner Ehefrau Josefa geb. Trautner in Bogarosch geboren. Im
Jahre 1862 übernahm er nach dem Tod seines Vaters die Stelle des
Oberlehrers in seinem Heimatdorf. Im Jahre 1867, am 14 Februar,
heiratete er die Tochter des Lowriner Oberlehrers Josef Eisenkolb,
Crescentia Wilhelmine. Aus der Familie Ferch entstammen zahlreiche
Gelehrte, Geistliche, Musiker und Maler. Friedrich Ferch berichtet 1924
im "Heiderösleinkranz", der Festschrift anläßlich der 150 Jahresfeier
der Ortsgründung:
Der Herr Oberlehrer
Nicht nur von seinen
Schülern, sondern weit und breit von allen, die ihn kannten, wurde er
so genannt. Und das war er auch. Ein echter Herr im guten und schönen
Sinne des Wortes. Eine stattliche Erscheinung, schönes Benehmen, streng
doch gerecht, gebildet gastfreundlich und im Verkehr mit seinen
Schülern und Volksgenossen leutselig und angenehm. ...
Im Unterricht verfolgte
er die modernsten Lehrmethoden, mit der Auswahl seiner Unterlehrer
bekundete er einen Scharfblick sich nur die besten Kräfte als
Mitarbeiter zu erküren. Dies hat viel dazu beigetragen das er als
Oberlehrer in den höchsten Klassen der Normalschule schon gutes
Material in die Hände bekam.
Außer dem Lesen,
Schreiben, rechnen und Religionsunterricht wurde auch das Zeichnen, die
Naturgeschichte, Geographie und die Physik in solchem Maßstab gepflegt
das eigentlich nur die vierte Klasse als Normalschule zu betrachten
war, die fünfte und sechste Klasse waren wirklich schon regelrechte
Realschule wo z.B. die Physik mit den gehörigen Geräten populär gemacht
wurde.
Mit seiner ganz modernen
Lehrmethode erzielte unser guter Oberlehrer außerdem das seine Schule
weit und breit als Musterschule galt, auch noch das, das er eine
ungeahnte Anzahl lernbegieriger Jünger schuf. Wenn er dann, mit den
Eltern über den Fortschritt ihrer Kinder verhandelnd , diesen sagte :
"Sie müssen ihren Sohn studieren lassen" oder bei minder wohlhabenden
sich äußerte: "Wenn es nur möglich ist lassen Sie ihr Kind studieren"
so war das eine Gewißheit, das der Sohn für Kopfarbeit, fürs
Weiterlernen ohne Gebrechen tauglich war. Dieser Aneiferung war es zu
verdanken das aus unserem kleinen Heimatdorf mit damals kaum 3000
Einwohnern mehr als 260 diplomierte Herrische hervorgingen.
Friedrich Ferch berichtet weiter:
Ein gediegenes Wissen und
Können in vielen Wissenschaften und Künsten halfen auch mit - immer den
Kern der Sache treffend - einen ungewöhnlichen Pädagogenerfolg zu
erzielen. Wer seine Zeichnungen und Ölgemälde sah, glaube mit einem
Künstler zu tun haben; wer sein künstlerisches Klavier- und Orgelspiel
hörte, seinem prächtigen Gesang lauschte, meinte, er wäre der
vollendete Tonkünstler. Seine Unterlehrer, die ihm beim
Organistendienste behilflich waren, wurden zu regelrechten Organisten
erzogen. Sie bekamen von ihm die Orgelbegleitungen der Kirchenlieder in
mustergültigem Orgelsatz und hatten nach tüchtiger Ausbildung bei
Konkurrenzen den anderen Bewerbern gegenüber ein leichtes Spiel. Es war
eben eine gute Empfehlung seine Fortbildung beim Herrn Oberlehrer Ferch
genossen zu haben.
Die Kirchenmusik in
Bogarosch war eine berühmte, nicht nur auf der Heide, sondern auch über
sie hinaus, dank der künstlerischen Bildung und Begabung dieses
Gemeindelehrmeisters. Wenn an großen Festtagen - so am Kirchenfeste am
15. August - außer Orgel und Gesang auch noch die Blech-Musikkapelle
des Dorfes anstimmte, so wurde vor der „großen Messe" in einem
Schulzimmer erst eine sehr strenge Probe gehalten und erst, wenn die
Kapelle an Probesende einen lustigen Marsch anstimmte, dann wussten wir
draußen lauschenden Kleinen, dass Alles in Ordnung war. Im Hochamte
ertönten dann die einstudierten Lieder mit Orgel- und
Orchesterbegleitung von einer anmutigen Schar schwäbischer Sängermädel
gesungen in feierlichster Weise. Der bescheidene Chroniker dieser
Zeilen ist seit dieser Zeit schon viel in der Welt herumgeflogen, doch
kann er wahrhaftig sagen, dass er etwas feierlicheres als ein solches
Hochamt in der kleinen Dorfkirche, oder bei der
Frohnleichnamsprozession oder österlichen Auferstehung nirgends
anderswo erlebt hat. Es zittern die Gefühlssaiten seiner Seele auch
heute noch bei diesen feierlichsten Erinnerungen, während die rasselnde
Schreibmaschine diese Zeilen aufs Papier bringt. Selbst feine
Musikkenner haben diese Andachten mit wahrem Hochgenusse und Respekt
bewundert.
Die auch im Druck
erschienene Klavierkomposition "Erinnerungen an Graz", gewidmet den
Schwestern Irma v. Fürst und Anna v. Humayer, geb. von Kempski,
bestätigt die musikalisch schöpferische Kraft dieses großen Kantors. Es
ist mir auch heute noch in bester Erinnerung, wie ich an Werktagen in
der stillen Messe manchmal ganz neue, schöne, noch nie gehörte
Kirchenlieder in formvollendeter, künstlerischer Weise, von seinem
wundervollen Organe vortragen hörte. Vor ihm der Text des Liederbuches,
die Melodie, völlig neu, im Augenblick des Vortrages ersonnen, mit
schönem Orgelsatz umsponnen, alles auf einmal erdacht, sogleich
ausgeführt und nach dem Verhallen in der kleinen Dorfkirche allsogleich
dem Vergessen preisgegeben… Das waren nicht nur Improvisationen ersten
Ranges, sondern auch das andächtigste Gebet einer glaubenden Seele,
welches dem Allmächtigsten, dem Geber solcher Gaben, nur dargebracht
werden kann… Sie wurden nicht gesammelt, nicht abgeschrieben, es wurden
statt ihrer immer neue erschaffen.
Der Schulgesang in seiner
Klasse war dem entsprechend auf hoher Stufe. Alle Schüler mussten
singen und wurde keiner wegen seines schlechten Gehörs - wie es
mancherorts üblich war - ausgeschaltet. Ein Harmonium, auf welchem
manchmal einer seiner kleinen Musikschüler den Kinderchor begleiten
musste, verhalf zur musikalischen Bildung. Die Sängermädchen waren
indes aus der Reihe der aus der Schule schon ausgebliebenen
Schülerinnen mit glockenreinen Stimmen erwählt und leisteten
vorzügliches. Als einmal Seine Hochwürden Herr Bischof Bonnaz bei
Anlass einer Firmung in Bogarosch weilte, wurde ihm von den Schülern
der oberen Klassen ein Ständchen dargebracht. Der hohe Kirchenfürst war
eher auf einen langweiligen, einstimmigen und bestenfalls leidlichen
Gesang gefasst. Wie groß war jedoch seine Überraschung, als er einen
prächtigen, wohlgeschulten, vierstimmigen Kinderchor erschallen hörte.
Das klang wie Engelsang, so rein, so schön. Nach Beendigung eines
reichhaltigen, künstlerischen Programmes äußerte sich der Gefeierte:
„Kann man denn auch so etwas Schönes produzieren?" Von den vielen
Ausdrücken seines Lobes und seiner großen Überraschung war dies wohl
der deutlichste. Der hohe Kirchenfürst war dann auch immer ein
wohlwollender Gönner des Bogaroscher Lehrers und Kantors geblieben.
Bei solchen Fähigkeiten
ist es nicht zu wundern das Josef Ferch öfter Gelegenheit gehabt hätte
auch höhere Stellen zu begleiten. Er mußte bei den damals eingeführten
Lehrerfortbildungsanstalten Vorträge halten. Auch sollte er
Schulinspektor dann Direktor der Hatzfelder Bürgerschule werden. Aus
verschiedenen, aber stichhaltigen Gründen lehnte er diese
Auszeichnungen dankend ab und blieb bis zu seiner Pensionierung im
geliebten und durch sein Wirken hochgehobenen Geburtsort Bogarosch.
Das er seinerzeit den
Bogaroscher Männergesangsverein ins Leben rief, sich in der Bienenzucht
Verdienste und Auszeichnungen erwarb, unter anderem durch die
Herstellung von Kunstwaben, ein passionierter Photograph war und sich
als leidenschaftlicher Jäger oft der freien Natur freute soll nur
nebenbei erwähnt werden.
Wie ihn seine
Vorgesetzten ehrten und schätzten, kann man aus der Erzählung einer
seiner gewesenen Unterlehrer entnehmen die folgendermaßen lauetet: Als
der Torontaler Schulinspektor die Bogaroscher Schule gelegentlich
besuchte kam er auch zu unserem Oberlehrer in die Klasse. Nach der
Begrüßung setzte er sich in die Schulbank zu den Kindern und sagte:
"Ich will auch von dem guten Schulmeister noch etwas lernen".
Im Jahre 1897 schied er
aus gesundheitlichen Gründen aus dem Lehreramt, es folgten Jahre des
unruhigen Wanderns in Stadt und Dorf, nirgends fand er Ruhe und Rast.
Die Heimatliebe und das Heimweh nach seinem Dorf welchem er seinen
Geist und sein Leben geopfert hatte plagten ihn beständig bis zu seinem
am frühen Morgen des 4 April 1902 in Perjamosch erfolgten Tode. Er
wurde nur 62 Jahre alt.
|