Bei der Ansiedlung 1768 und 1769 war Bogarosch Filiale der Pfarrei
Csadat. Die Pfarrei wurde 1770 gegründet, die ersten Matrikeleinträge
datieren vom Januar 1770. Im Jahre 1773 baute die Kameralherrschaft,
der neuen Gemeinde eine Kirche. Die Arbeiten wurden 1774 beendet. Am 1.
November wurde die Kirche zur Ehre Maria Himmelfahrt eingeweiht. In den
ersten Jahren wurde Schulunterricht in Privathäusern erteilt. 1771
wurde auf dem Hausplatz Nr. 201 ein Schulhaus erbaut. Dies war ein
einfaches, mit Rohr gedecktes Gebäude und wurde 1806 neu gebaut.
Das Jahr 1794 war das erste nennenswerte schwache Jahr. Infolge der
großen Trockenheit und Hitze waren sämtliche Feldfrüchte missraten, nur
die Hilfe der Regierung rettete die Bewohner vor dem Hungertode. 1804,
bei der ersten Volkszählung, wurden in Bogarosch 1600 Einwohner
gezählt, 1805 standen 210 Häuser. 1816 war der Winter lang, anhaltend
und eiskalt. Der Schnee schmolz spät, die Saat wuchs trotzdem, doch vor
der Ernte kam von Warjasch eine Wasserflut und überschwemmte die Äcker.
Das gesamte Getreide wurde vernichtet. Auf den tief liegenden Teilen
des Hotters blieb das Wasser über mehrere Jahre hindurch.
Im Jahre 1823 kaufte die Gemeinde das Haus Nr. 123, um auf dem
Grundstück ein Gemeindehaus zu erbauen. Zuvor wurden die
Gemeindeangelegenheiten in der Wohnung des Richters erledigt. Am 12.
und 13. Januar 1830 fiel dermassen viel Schnee, dass der Verkehr zu den
Nachbargemeinden völlig zum Erliegen kam. Es wurde spät Frühjahr, im
Juli und August stieg das Erdwasser derart, dass die meisten Keller
voller Wasser standen und infolgedessen sehr viele Häuser
zusammenfielen.
Die Cholera tritt erstmalig 1831 in Bogarosch auf. Am 3. September
starben die ersten Kranken. Bis zum Abklingen der Seuche, Anfang
November, starben insgesamt 17 Kranke. Am 23 Juni 1836 bricht die
Cholera erneut aus. Ein Cholera-Arzt aus Makó weilte in der Gemeinde.
Innerhalb von drei Monaten starben von 700 Kranken 107 .
Im Jahre 1837 wurde die Pusta Pakatz, welche unserer Pfarrei als
Filiale angeschlossen war, der neu erbauten Gemeinde ,,Sándorháza''
angegliedert. Die 1844 angesiedelte Nachbargemeinde Ujhely wurde
unserer Pfarrei als Filiale zugeteilt.
Im Jahre 1848 löste sich das Urbarium auf, die Bauern wurden freie
Leute. Sie mussten nun keine herrschaftlichen Gebühren mehr bezahlen.
Ab 1850 wurde in Ungarn die Grundsteuer eingeführt. Am 24.01.1852 wird
der Bogaroscher Grundsteuer-Kataster fertiggestellt, in den alle
Feldbesitzer eingetragen wurden. Ab 1855 hatte Bogarosch sein Grundbuch
.
Im Laufe der ersten Jahre ist viel gebaut worden. 1852 standen in
unserer Gemeinde 237 Häuser. Es wurden auch schon die Hausplätze der
Sessionalisten teilweise zur Hälfte an Erben übergeben oder aber
verkauft, was seit dem Jahre 1850 gestattet war. Die fortwährende
Vermehrung der Einwohner und die noch immer andauernde Zuwanderung
machte ein weiterer Häuserbau notwendig. Die meisten dieser
Zugewanderten waren gezwungen, vorerst im Zins zu wohnen. Im Jahre 1853
ist es der Gemeinde nach zähen Verhandlungen mit der Kameralherrschaft
gelungen neues Bauland zu erschließen. Die Gemeinde konnte Nutzungen
wie Hutweide, Bitangstand und Heumagazin, insgesamt 20 Joch, gegen 20
Joch Hutung tauschen. Diese zwanzig Joch Hutung wurden durch die
Kameralherrschaft an ärmere Einwohner zum Hausbau verpachtet. Diese
sogenannten „Kameral - Kleinhäuser" wurden in den Matrikelbüchern als
Neu-Bogáros bezeichnet. Ebenfalls 1853, am 29. Mai, wurde der
Grundstein für das heute noch stehende (alte) Schulhaus gelegt.
Nachdem
sich die Kirche als zu klein erwies, bat die Gemeinde öfters die
Patronatsherrschaft, sie möge diese mit zwei Seitenschiffen vergrößern.
Jedoch vergeblich. Die Vergrößerung verblieb der Gemeinde. Sie übergab
die Arbeiten an die zwei Tschatader Unternehmer Heinricus Grubicza und
Nikolaus Bergmann, welche verpflichtet wurden, das Schiff der Kirche
auf beiden Seiten so zu vergrößern, dass es die Form eines Kreuzes
bekomme. Der Bau begann am 30. September 1859. Die so vergrößerte
Kirche ist am 8. September 1860 neu eingeweiht worden.
1863 wurde die Fechsung infolge der großen Trockenheit gänzlich
vernichtet worden und es trat eine große Hungersnot ein. Feldfrüchte,
Futter und Gemüse sind ganz ausgeblieben, das Rindvieh musste wegen
Futtermangel geschlachtet werden. Trotz dieser großen Not war die
Gemeinde im Stande sich selbst zu ernähren. Man war jedoch gezwungen
für die Kleinhäusler eine Volksküche zu eröffnen wo täglich 120
Familien unentgeltlich verpflegt wurden. Dieser Zustand dauerte bis Mai
1864.
Nach dem Notjahr 1863, das eine empfindliche Verschuldung unserer
Ortsbewohner verursacht hatte, gab es vor allem im nordwestlichen Banat
viele Menschen, die in anderen Ländern ihr Glück suchen wollten.
Rumänien und Serbien waren als Zielländer im Gespräch, die
Verhandlungen zerschlugen sich aber. Türkische Grundherren erfuhren so
von den Wünschen dieser Banater Schwaben. Schon im Spätwinter 1864 kam
der von ihnen mit allen Vollmachten versehene Agent Alexander Kvacsak
nach Hatzfeld und warb unter den ärmeren Volksschichten Ansiedler für
türkische Privatgüter in Ostrumänien. In kurzer Zeit hatten sich 243
kinderreiche deutsche Familien zu diesem Kolonisationswerk
entschlossen. Im September 1864 machten sich rund 2000 Personen, die
aus Bogarosch und etlichen umliegenden Ortschaften stammten, auf den
Weg. Eine Gruppe gelangte in die fruchtbare Maritza-Ebene in die Nähe
von Plowdiw (Philippopel), eine andere bis in die Nähe von Burgas, der
Hafenstadt am Schwarzen Meer. Alle wurden auf freiem Feld angesiedelt.
Vorübergehend wohnten alle in Erdhütten, später erbauten sie sich
solide Häuser. In kurzer Zeit waren große Feldflächen gerodet, der
ausgeruhte Boden gab überaus reiche Ernten. Da aber die türkischen
Grundherrn ihre Versprechungen nicht einhielten und die Siedler
lediglich als ,,Melkkühe'' betrachteten, stieg die Unzufriedenheit
unter den Kolonisten immer mehr an. Kaiser-König Franz Josef I., dem
bei seiner Krönung in Budapest ein Bittgesuch der Bedauernswerten
überreicht wurde, ließ den Fall untersuchen und bewirkte beim
türkischen Hof, dass die Banater wieder in ihre Heimat zurückkehren
konnten, Sie mussten allerdings nach dem bestehenden türkischen
Feudalrecht 9/10 aller beweglichen Habe zurücklassen, so dass die
meisten der 1365 Rückwanderer bettelarm im Banat ankamen. Es war im
Spätherbst 1867, als sie wieder in der Heimat angelangt waren. Viele
kehrten nicht in ihre Geburtsgemeinden zurück und suchten in anderen
Siedlungen Arbeit und Verdienstmöglichkeiten.
Im Jahre 1869, hundert Jahre nach der Ansiedlung, zählte die Gemeinde
Bogarosch 2655 Einwohner. Ebenfalls 1869, am 1. Juli bekam unsere
Gemeinde eine eigene Poststation.
Um 1900 waren die kultivierbaren Bodenflächen in unseren Gemeinden
knapp geworden. Junge Bauern-, Handwerker- und Arbeitersöhne, die von
Amerika als dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten gehört hatten,
wanderten vorwiegend in die Vereinigten Staaten von Nordamerika aus.
Dabei kann man im wesentlichen zwei Gruppen unterscheiden: die einen
zogen mit der Familie und nach Verkauf aller Liegenschaften weg, sie
verließen die alte Heimat in der Regel für immer; die anderen wanderten
nur auf Zeit aus, in der Hoffnung, im Zielland Geld erwerben und sparen
zu können, um dann dafür im Heimatort Grundstücke zu kaufen. Nach
Aufzeichnungen des ehemaligen Bogaroscher Kaplans Otto Dietrich
wanderten zwischen 1904 und 1912 insgesamt 1041 Personen, 731
Erwachsene und 310 Minderjährige, nach Nordamerika aus.
Am 17.10.1910 erhielt unsere
Gemeinde Bahnanschluss, die Eisenbahnstrecke Hatzfeld - Lowrin wurde
eröffnet, es verkehren anfangs 6 Züge am Tag.
Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges am 28. Juli 1914 unterbricht diese
Entwicklung. In Bogarosch erhält die Gemeindeverwaltung bereits in der
Nacht des 26 Juli den Mobilmachungsbefehl. Die aufgerufenen Jahrgänge
rücken ein. Noch 1914 trat der Staat mit einer Kriegsanleihezeichnung
an die Bevölkerung heran und wiederholte dies noch öfters bis zum Ende
des Krieges. Man zeichnete im Laufe der vier Jahre enorme Summen. Im
Herbst 1918 waren die Kriegsanleihen nur mehr Papierstücke ohne Wert.
Manche Familie verarmte völlig. Am 25 November 1916 hatte man die
Glocken (bis auf das Zügenglöcklein) aus dem Kirchturm requiriert. Von
den 543 mobilisierten Bogaroscher Wehrpflichtigen sind 84 auf den
Schlachtfeldern gefallen oder vermisst geblieben. Am Ende des Krieges
brach der Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn auseinander. Ende des
Jahres 1918 besetzten die Serben diese Gegend und verblieben hier bis
zum 27 Juli 1919. Die Bevölkerung hatte in diesen neun Monaten sehr
viel zu leiden, die Besatzungstruppen lebten auf ihre Kosten. Am 19.
Februar 1919 wurde eine Volkszählung angeordnet, Iaut welcher die
Einwohnerzahl von Bogarosch folgende war: Deutsche 2373, Rumänen 32,
Ungarn 26, Serben 1. Am 27. Juli 1919, zogen die Serben ab, am 3.
August 1919 zogen die rumänischen Truppen in Temeschburg ein und
übernahmen die Verwaltungsgewalt. Die Gemüter beruhigten sich langsam,
und die Zeiten ruhiger Entwicklung kamen für unsere deutschen Gemeinden
wieder.
1939 begann das letzte Kapitel der deutschen Gemeinde Bogarosch. Am 1.
September 1939 brach der zweite Weltkrieg aus, Hitler begann die
Neuordnung Europas in die Tat umzusetzen. Von den eingerückten
Bogaroscher sind 12 in der rumänischen Armee und 44 in der Deutschen
Armee gefallen oder vermisst geblieben. Außerdem kehrten von denen in
der deutschen Armee eingerückten Bogaroscher 67 nicht mehr in ihre
Heimat zurück, sie fanden in den deutschen Besatzungszonen, in
Österreich und in den USA eine neue Heimat.
Im Herbst 1944 zogen sich die Ietzten deutschen Truppen aus dem Banat
zurück. Fast zeitgleich strömten aus den rumänischen Kernländern
Tausende von Familien der Staatsnation in die deutschen Siedlungen
unserer Heimat. Hatte Bogarosch im Jahre 1943 2502 Einwohner, davon
97,8 %, also 2450 römisch-katholischen Bekenntnisses, so waren 1948
unter den 3015 Einwohnern nur noch 58,1 % also 1754 Katholiken zu
verzeichnen.
Ende des Jahres 1944 musste der rumänische Staat sich verpflichten,
100.000 Arbeitskräfte für den „Wiederaufbau der Sowjetunion
freizustelIen". Er beschränkte diese Aktion im wesentlichen auf die
arbeitsfähigen Jahrgänge der volksdeutschen Bevölkerung. Am Sonntag,
dem 14. Jänner 1945, hatten sich die Jahrgänge 1899 bis 1928 der Männer
und 1914 bis 1927 der Frauen bis Mittag im Gemeindehaus zu melden. Es
dauerte dann allerdings bis zum Donnerstag, dem 18. Jänner, bis alle
eingefangen waren. Am Abend dieses Tages mussten die Betroffenen unter
militärischer Bewachung nach Perjamosch marschieren, wurden dort Tags
darauf in Viehwaggons zusammengepfercht und in die Sowjetunion zur
Zwangsarbeit deportiert. Im Spätherbst 1946 ging dann der erste
Krankentransport aus den Verschleppungslagern Richtung Heimat.
Die Leute sind kurz vor Weihnachten in der Heimat angekommen, 1948 ist
der nächste Transport zusammengestellt worden und im Herbst 1949 wurden
die Letzten entlassen. Von den 326 Bogaroscher die deportiert wurden
kehrten 50, 45 Männer und 5 Frauen, nicht mehr zurück.
Am 23. März 1945 beschloss die neu installierte kommunistische
Regierung die Agrarreform, die sich verheerend auf die
landwirtschaftlich geprägte deutsche Dorfbevölkerung ausgewirkt hatte.
In den nächsten Monaten sind Enteignungskommissionen, die überwiegend
aus Rumänen bestanden, auf die deutschen Bauern losgelassen worden. Man
raubte ihnen brutal Maschinen, Ackergeräte, Vieh- und Bodenbesitz. Was
Generationen schwer erarbeitet hatten, gelangte in die Hände von
rumänischen Kolonisten, die damit nichts anfangen konnten, weil sie von
unserer fortschrittlichen Landwirtschaft nichts verstanden hatten. 1947
gründeten die neuen Machthaber mit einem Teil der enteigneten Güter die
Staatsfarm, in der ein Teil der enteigneten deutschen Bauern als
Tagelöhner arbeiten konnten. Vier Jahre später entstand die
Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (C. A. P.).
Anfang Juni 1951 kamen Milizleute und Offiziere der Armee nach
Bogarosch, um statistische Aufnahmen zu machen. Die Lage war sehr
angespannt, man rechnete mit einer erneuten Verschleppung in die
Sowjetunion. Am 18 Juni 1951 begann dann die Verschleppungsaktion
derer, die dem kommunistischen Regime nicht ins Konzept passten. Am
Bahnhof versammelt mussten sie tagelang auf die Viehwaggons warten, die
sie an den Verbannungsort brachten. Es ging in die Baragan-Steppe. Hier
wurden sie unter freiem Himmel, im weiten Umkreis kein Baum, kein
Strauch, kein Haus und kein Brunnen, abgeladen. Ortschaften wie
Stancuta Noua (Schei), Rubla, Fetesti und Vâdeni, die sie selbst
aufgebaut hatten, sollten für fünf entbehrungsreiche Jahre ihre Heimat
werden. Von den 295 deportierten Bogaroscher sind 27 dort verstorben.
Im Jahre 1968 wurde die selbständige Gemeinde Bogarosch aufgelöst, wir
hatten ab dann zur Großgemeinde Lenauheim zu gehören. Deutsche
Schulklassen gab es bis kurz vor 1990. In den letzten Jahren allerdings
nur die Klassen 1-4, mit einräumigem Unterricht. Die letzte Bogaroscher
Kerwei wurde 1987 gefeiert, 7 Kerweipaare marschierten zu den Klängen
der Grabatzer Musikkapelle durch die Hauptgasse. Nach dem Umsturz des
Diktators Ceausescu, 1989, setzte die letzte Auswanderungswelle ein,
die letzten Banater Schwaben verließen Rumänien. Die
römisch-katholische Pfarrei Bogarosch wurde 1992 aufgelöst und der
Pfarrei Lowrin als Filiale zugeteilt.