Werdegang einer Banater Gemeinde
Erlebnisbericht - Ab dem Jahre 1948
(ein Beitrag von Prof. Josef Huber)
Der verlorene Krieg 1945 brachte auch für die deutsche Bevölkerung des Banats im
Bereich des Schulbetriebs die übelsten Formen. Vorerst war der Unterricht in der
deutschen Muttersprache bis zur Schulreform 1948 unterbunden. Für die am Krieg
mitschuldigen "Hitleristen" - da wurden alle über den gleichen Leisten
geschlagen - sollte kein Unterricht in der Muttersprache stattfinden.
Die Losung hieß: rumänischer 'Unterricht ja, aber
keiner in deutscher Sprache. Somit vergingen die Jahre 1945-1948/49 ohne
Unterricht in Deutsch. 1948 verschwand ein für allemal das Kreuz aus der
Schulklasse. 1947, bis zur Vertreibung des Königs, war es noch da.
Die
deutschen schulpflichtigen Kinder faden sich plötzlich in einer rumänischen
Schulklasse, und verstanden kein Wort von dem, was da geschah. Noch heute
erinnere ich mich an das Wort, das ich "feferita" las: gemeint war das
Eichhörnchen in der Fibel.
Allen anderen erging es beim Lesen ebenso. Viele
hatten schon zu Hause etwas lesen (aber deutscher Buchstaben) gelernt.
Weil
keine sprachliche Verständigung mit den Rumänen in Aussicht war, bestand
unser zusammenleben in Einander -aus dem Weg gehen-, Streiten, und Raufen. Auch
am Ende der ersten 2, 3 Schuljahre verstand man nichts, wenn einmal ein Kolonist
einen ansprach. Und trotzdem war es nicht selten, dass ein Deutscher
Klassenbester wurde, weil die deutschen- zumeist Großeltern- einen anderen Bezug
zu Schule und Lernen hatten, als die rumänische Bevölkerung, bei der der Anteil
der Analphabeten-Eltern nicht gerade gering war.
Auch nach der Schulreform im
Jahre 1948 war es den Kindern nicht zur freien Wahl gestellt, ob sie die
deutsche Abteilung der Schule besuchen wollten oder die rumänische. Kinder aus
Mischehen, oder solche, deren Eltern sich rumänisiert hatten, auch solche einer
anderen Nationalität als Rumäne und selbst gute Schüler mit deutscher
Muttersprache wurden dazu angehalten, auch die rumänische Abteilung der Schule
zu besuchen.
Vormittags war die Schule (das Gebäude) für die rumänischen
Schüler da, und nur nachmittags durften die Deutschen in das Gebäude.das von der
Generation ihrer Vorväter erbaut wurde. Deutscher Unterricht wurde seit 1948 bis
in die 60er Jahre in umfunktionierten Privaträumen abgehalten.
Erst in den
60ern kamen auch Rumänen in die umfunktionierten Klassen außerhalb des
Schulgebäudes. Beim Bau des neuen Schulgebäudes rechnete man schon mit dem
Weggang der Deutschen; es wurden von Anfang an weniger Klassenräume hingestellt,
als zur Zeit notwendig gewesen wären. Die Schülerzahlen schrumpften von Jahr zu
Jahr.
Immer öfter rechneten die Lehrer im Voraus, ob noch die Mindestzahl zum
Erreichen einer Fünften einzuhalten war; oder ob durch den Weggang schon eines
Einzelnen der Bestand einer Klasse in Gefahr geraten war.
Viele unserer
Lehrer waren überflüssig geworden, weil an ihrer Schule kein Platz mehr für sie
war. Die Folge war Weggang aus Bogarosch oder durch Berufswechsel woanders einen
Neuanfang wagen.
Unter solchen Umständen war dann der Entschluss
auszuwandern, Rumänien für immer den Rücken zu kehren, die beste Alternative.
Seit 1989/1990 ist Unterricht in Deutsch - zumindest für die Klassen 5-8 - in
Bogarosch Geschichte.
zurück