Die
Geschichte von Bogarosch ist bestens
dokumentiert in den beiden Ortsmonographien
von 1935 und 1993. Ergänzt werden diese
durch die Publikation von Josef Prunkl
in der die Lebenswelt der
landwirtschaftlich geprägten
Gesellschaft sowie die Landwirtschaft
selbst akribisch dokumentiert wird. Ein
weiteres ergänzendes Werk zur Bogaroscher
Geschichte ist das Familienbuch
welches alle Bewohner der Gemeinde von
der Ansiedlung bis zum Exodus erfasst. Diese
Seite soll die Informationen in den bereits
vorhandenen Publikationen ergänzen und
vertiefen.
Bezeichnet Johann Thierjung "das alte
Bogarosch" als den Ort vor der Besiedlung
durch unsere Vorfahren, so verschieben sich
heute die zeitlichen Grenzen und nun, fast 100
Jahre später nach der Niederschrift der
Thierjung' schen Monographie, dürfen wir unter
dem Begriff "das alte Bogarosch" die
Entwicklung unseres Heimatortes zwischen 1769
und 1990 verstehen.
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Urkunde
vom 27. Dezember 1494 in der,
unter anderen, die Prädien Bogaros
und Chatad erwähnt werden. |
Bogarosch
vor 1768
Hubert schreibt 1935 in der
Ortsmonographie folgendes: Im Budapester
Staatsarchiv wurden Dokumente aus den Jahren
1462 und 1493 vorgefunden, in welchen
"Bogáros " erwähnt ist. In dem Archiv der
Familie Graf Erdödi de Dörösvari wurde eine
Urkunde aus dem Jahre 1494 vorgefunden, in
welcher Erwähnung gemacht wird vom "
Praedium Bogáros". Folge dieser Urkunde ist
es möglich, dass vor 1494 hier ein bewohnter
- oder ständig bewirtschafteter - Ort war,
welcher aber wahrscheinlich durch die
fortwährenden türkischen Streifzüge
vernichtet wurde. Der Platz wurde einfach
nach dem Orte als Praedium erklärt.
König Władysław II. verleiht Ferenc von
Naghlwche das Königsrecht in den Besitzungen
Thofew, Nemethy und Petherd im Komitat Temes
und in Teilen der Besitzungen Papd und Hethen
sowie in den Prädien Kylsew Rabe, Belsew Rabe,
Zedech, Balogd, Bogaros und Chatad.
Aus diesem ist ersichtlich, daß das " Praedium
Bogáros" Eigentum des Staates war. Daß dieses
verschenkte " Praedium Bogáros" identisch ist
mit dem heutigen ist sehr
wahrscheinlich.
1523 hatten Nagylucsei Döczy Ferenez und seine
Frau Forgács Margit das "Praedium Bogáros" im
Jahre 1523 noch im Besitze. Von seinen Söhnen
war Döczy Läszlö im Jahre 1548 noch am Leben,
so daß bis zu dieser Zeit in den
weitausgedehnten südungarischen Döczy-Güter
keine Veränderung vorkam und es vorauszusetzen
ist, daß das "Praedium Bogáros " nach der
Mohatscher Schlacht auch noch immer als
Döezy-Eigentum bestand,
Der Fall der Festung Temesvar ging mit großen
Zerstörungen ein, viele Besitzstände standen
herrenlos da. Im Jahre 1562 schloß König
Ferdinand mit Soliman Frieden, infolge dessen
wurden sämtliche zerstörten oder die an
Zápolya János übergangenen adeligen Güter
durch König Ferdinand verstaatlicht und an
treue Adelige verschenkt. Das "Prädium
Bogáros" wurde auch als königliches Gut
erklärt und noch im Jahre 1562 an Kányaföldi
Kerecsenyi László, verschenkt. In dessen
Besitz war es jedoch nur bis 1566, denn in
diesem Jahr geriet er in türkische
Gefangenschaft und wurde hingerichtet.
Wer die Eigentümer des "Praedium
Bogáros " während der Türkenherrschaft waren,
kann nicht festgestellt werden. Der
Wahrscheinlichkeit nach hat es sehr oft die
Eigentümer gewechselt. Daß es trotzdem unter
fortwährender Bearbeitung stand, beweist, daß
der Name immer vorkommt. In dem
Ortsverzeichnis der Wiener Kammer kommt es im
Jahre 1717 zwar nicht vor, daher war es auch
kein bewohnter Ort; aber auf der Karte des
Generalen Mercy vom Jahre 1723, welche in Wien
herausgegeben wurde, ist das " Praedium
Bogaros" als unbewohnter Ort bezeichnet.
Ebenso ist es vorfindbar auf der Landkarte des
Temescher Banates im Jahre 1761 mit deutscher
Ortographie: "Bogarosch", ebenso auf den
Karten der Josephinischen Landesaufnahme in
den 1780er Jahren.
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| Die
Umgebung von Bogarosch auf Karten der
Josephinischen Landesaufnahme |
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Bogarosch
im 18. Jahrhundert
1767
beschloß die Regierung das
Prädium Bogarosch zu
besiedeln. Es wurde dem
Pächterverein entzogen und
Neumann, dem Provinzialrat von
Temeswar, zugeteilt mit dem Auftrag,
das Gebiet zu vermessen und
nach der Erstellung der
Siedlungspläne mit deren
Genehmigung sofort
mit der Besiedlung zu
beginnen. Neumann
vermaß 183 ganze und 16 halbe
Sessionen, insgesamt 191
Grundstücke
für das für 200 Häuser
geplante Dorf.
Die
Besiedlung erfolgte nach den Regeln der ersten
regulären Banater Siedlung und dem
Siedlungspatent vom 25. Februar 1763. Im
Deutschen Reich gab es Agenten und Notare, die
mit der Anwerbung von Siedlern betraut waren.
Auch aus Ungarn wurden Agenten in die
österreichischen Randprovinzen geschickt, um
möglichst viele Siedler zu gewinnen. Maria
Theresia versprach jedem Kolonisten, der sich
auf einem Schatzgrundstück niederließ und ein
Haus baute, sechsjährige Steuerbefreiung,
kostenloses Bau- und Brennholz und zehnjährige
Steuerbefreiung für Handwerker. Jede
Siedlerfamilie erhielt 12 Kreuzer pro Ehepaar
und 3 Kreuzer pro Kind für Tagegeld und
Verpflegung. Die Einwanderer, die nach
Bogarosch beordert wurden stammten aus
Belgien, Schwaben, Bamberg, Rheinland,
Lothringen, Elsass und Oberösterreichern. Sie
wurden von Wien auf Schiffen nach Zimony,
Pancsová und Titel gebracht, von wo sie im
Frühjahr 1768 auf Befehl der Regierung der
Region Temeswar mit offiziellen Transporten
und Militäreskorte in Temeswar ankamen. In
Temeswar empfing Neumann die Neuankömmlinge
und begleitete sie zu ihrem Ziel. Sie begannen
sofort mit dem Bau ihrer Häuser, die Arbeit
dauerte den ganzen Sommer und Herbst. Sie
erhielten kostenlos nicht nur die
Baumaterialien für die Häuser, sondern auch
die für die Landwirtschaft notwendigen Pferde,
Werkzeuge, Karren, Pflüge, Eggen und sogar die
Haushaltsmöbel und alle für die Hauswirtschaft
notwendigen Werkzeuge wie Spinnräder, Messer,
Gabeln, Löffel usw. Die Gemeindeverwaltung,
erhielt ein Siegel, dessen Mitte eine
Pferdefigur darstellte - ein Symbol des zur
Pferdezucht genutzten Prädiums Bogarosch -
umrandet von der Inschrift "Bogaros in Temesw.
Banat". (Das Dorf besitzt außerdem zwei neuere
Siegel. Auf dem einen, über dem tänzelnden
Hengst, steht: „Bogáros T. NS . Torontál V.
Megyében l8 ‘gJ“; auf dem anderen: „Bogáros
községe itíjfl · (Öffentliche Bekanntmachung
des Pleb.-Ref) (sic!)
Nachdem der
Bau des Dorfes
bis zum Herbst
1769 gut
vorangekommen
war,
errichtete die
rein
katholische
Bevölkerung
mitten im Dorf eine Bretterkapelle, von der Regierung
erhielten die
Bogaroscher
eine 80 Kilo schwere Glocke und verschiedene
Kirchengegenstände
für die
Ausstattung
Kapelle. Bischof Graf Engel, vertraute die Betreuung
der Gläubigen
von Bogarosch
vorübergehend
dem Csatáder
Pfarrer Stefan
Petrich an.
Dieser Petrich weihte die Kapelle am ersten
Adventssonntag
1769 und
brachte das
erste
Messopfer im
Ort dar.
Gleichzeitig
empfing die
Bevölkerung
zum ersten Mal
in ihrer neuen
Heimat die
Kommunion.
Gemäß der Siedlungsordnung wurde die Schule
ebenfalls 1769
eröffnet,
zunächst im
Bauernhaus Nr.
181 und 1770
im Haus Nr.
84. Dort blieb
sie jedoch nur
bis 1771, als
das Dorf auf
dem von der
Staatskasse
erhaltenen
Grundstück ein
geeignetes
Schulhaus
baute.
Johann Thierjung, der erste Ortschronist,
hinterläßt uns
eine Anekdote,
die sich in
jener Zeit
abgespielt
hat: als
die Einwohner
in Mitte des
Ortes
aufgestellt in
Reih und Glied
aufgestellt
in Reih und Glied waren, ihre Papiere
geprüft, die nötigen Erörterungen
getroffen ihre Vermögensverhältnisse
festgestellt und die in Wien von ihnen
deponierten Gelder in Empfang genommen,
konnte ein Weib, dessen Familie nachher
auf Haus Nr. 158 ansässig wurde, die Zeit
nicht erwarten bis die Commision der Reihe
nach bei ihr ankam, sie tritt aus Reih und
Glied und forderte mehrmals die Commision
auf in welche Gasse sie kommen werde.
Verdrossen über das oftmalige Fragen der
Gasse welche bis dahin doch keinen Namen
hatte, somit nur von Haus Nummro so und
soviel die Rede sein kann, gab der Hohe
Kommisär ärgerlich zur Antwort: Scheiss
Gasse … Die Gasse in welche die
Fragestellerin auf Nr. 158 kam trägt den
Namen Scheißgasse bis auf den heutigen
Tag.
Wie
sahen nun diese ersten Bogaroscher Häuser aus?
Darüber gibt uns Zacharias Johannes Sax, ein
in den Ansiedlungsakten oft genannter
Ingenieur genaue Auskunft. Von ihm stammt ein
Hausplan (welcher im Wiener Hofkammerarchiv
verwahrt ist) der uns zeigt, auf „was Arth die
Collonisten Haüsser, auf dem neu angelegten
Dorf Bogarosch stand- und dauerhaft von
gestampfter Erden und Rohrdach hergestellt
werden”. Das Haus, dessen Grundfläche etwa
5x16 Meter betrug, umfasste unter einem langen
Satteldach Küche, Zimmer, Kammer und Stall.
Vom Hof aus betrat man die Küche, welche ihr
Licht durch die Tür empfing, Fenster hatte sie
keines. Dem Eingang gegenüber war ein großer
offener Herd aus gestampften Lehm aufgebaut,
darüber befand sich die große Haube zum Abzug
des Rauches. Rechts trat man in das Zimmer,
das bei einem Flächeninhalt von 5x6 Metern
einen mächtigen Ofen von 1,75 Meter im
Geviert, der nur von der Küche aus geheizt
werden konnte, barg. Links von der Küche lag
die Kammer von halber Zimmergröße.
Anschließend an die Zimmer, doch nur von außen
zugängig, war der Stall im Ausmaß von 5x5
Metern. Um auch bei schlechtem Wetter trocken
von den Wohnräumen dorthin gelangen zu können,
stand das Rohrbach etwa 1,5 Meter vom
Hausrande ab. Allzu geräumig war solch ein
Haus nicht und eine Familie musste schon fest
zusammenrücken, um in einer Kammer von 3x5
Meter (wenn auch nur für ein halbes Jahr)
Platz zu finden.
Die Arbeit und die Lebensbedingungen der
Neuangesiedelten waren hart und arg. Wir haben
Angaben aus denen man erkennen kann wie um
jede Kleinigkeit gedarbt und gerungen werden
mußte. Kaum kamen die angehenden Bogaroscher
die Donau herab und fanden in der halberbauten
Ortschaft ihr bleibendes Obdach, als sie auch
schon an die Urbarmachung des Bodens gingen.
Dieser trug damals meist steppenartiges Gras,
an dessen Umpflügen nicht gleich zu denken
war. So gingen im Juli 1769 die Bauern Heu
mähen und da starke Trockenheit herrschte, gab
es nur einen geringen Ertrag. Sie erhielten
daher für ihr gesamtes Melkvieh und für einen
Teil des Zugviehes das Heu von anderwärts
zugewieden. Im Herbst ging der Ackerbau mühsam
vorwärts, da sich der Mangel an Bespannung
unangenehm geltend machte. Von den 200
Haushaltungen hatten bis dahin nur 55 ihre
Zugtiere erhalten und diese mußten neben der
Feldarbeit noch die Gemeindefuhren an Mehl und
Lebensmitteln verrichten. Man kam gar nicht
mehr dazu, aus dem Bruckenauer Wald das Holz
zu holen und so fehlte es auch daran. Die
Häuser waren noch nicht ausgetrocknet und
infolge der dadurch verursachten Krankheiten
starben binnen kurzem 32 Kinder. Der Winter
stand vor der Türe. Da sandte die Bogaroscher
Gemeinde am 30. Oktober 1769 eine Bittschrift
an die Landesadministration nach Temeswar und
bat um 300 Klafter Brennholz, welches durch
die „Nationaluntertanen“ zugeführt werden
sollte. Gleichzeitig bat man um einen eigenen
Seelsorger und um die Errichtung einer eigenen
Pfarre.
Die erste Aussaat auf einem Teil
der Felder wurde im Oktober 1769, noch bevor
diese parzelliert waren, der Erde
anvertraut, 1770 jedoch brachte jedoch eine
Missernte mit sich. 1770 erfolgte die
Gründung der Pfarrei, bis dahin war
Bogarosch Filiale von Csadat. Bischof
Engel entsandte im Januar
1770 Kaplan Anton Nitsch
nach Bogarosch, um dort bis
zur Anstellung eines
Pfarrers die Seelsorge zu
übernehmen. Nitsch
blieb über ein Jahr in
Bogarosch.
Die Anstellung eines
ständigen Pfarrers erfolgte
erst am 7. April 1771. Franz
Xaver Simonovics wurde der
erste reguläre Pfarrer in
Bogarosch. Im
darauffolgenden Jahr, 1772
stattete Bischof Engel der
neu gegründeten Pfarrei
einen offiziellen Besuch ab.
Bei
dieser Gelegenheit ordnete
er die Einführung des bis
heute bestehenden Brauchs
an, die Leichen unschuldiger
Kinder, die noch nicht
beichten konnten, vor der
Beerdigung in der Kirche
auszusegnen.
Zur gleichen Zeit ließ das
Dorf in Temeswar eine
zweite, vier Pfund schwere
Glocke gießen, die zu Ehren
Mariä Himmelfahrt gegossen
wurde. Das
Dorf beschloss außerdem,
jedes Jahr sechs
Dorffeiertage zu Ehren der
Heiligen Sebastian, Florian,
Donat, Rókus, Rosalia und
Vendel zu begehen.
An
diesen Tagen enthalten sich
alle Dorfbewohner der
Arbeit, und wer das Gelübde
bricht, muss der Kirche 5
Pfund Wachskerzen zahlen und
wird zudem von der Präfektur
bestraft. Das
Gelübdedokument wurde
einerseits vom derzeitigen
Grundbesitzer des Dorfes
unterzeichnet, andererseits
vom Richter Mathias Michels
und dem Johann Albert,
beglaubigt.
Die
Ursache für die große Sterblichkeit im Jahre
1771 (94 Sterbefälle, im Vergleich mit
den Jahren davor und danach erheblich mehr.
(1770 - 53; 1772-53)) sind wahrscheinlich
die nicht trockenen, neu erbauten Häuser,
welche meistens offen stehen zum
Austrocknen, die Zugluft durch Fenster und
Türen wirkte jedoch schädlich auf die
Gesundheit bei Menschen und Tier.
Es wurde bereits im Jahre 1775 Steuer,
Zehnten und Roboten abgefordert, den
Colonisten die aber im Rückstand geblieben
waren wurde mit Exekution gedroht welche die
Gemeinde zu einem Eingeben an die
Landesadministration Temesvar
veranlasste. Daraufhin wurde die
Schuld von 30 Insassen welche ihre Häuser
verlassen oder davon entlassen wurden, mit
429fl und 47x nachgelassen, auch wurden neue
Schulden mit 559fl 30x nachgelassen, somit
zusammen 984fl 17x Nachlaß (fl =
Gulden, x = Kreuzer).
1776
waren die Insassen von 40
Hausnummern waren bereits
verstorben, durchgegangen
oder abgewirtschaftet und
die Häuser standen leer.
1768
erhielt die Gemeinde den
ersten Notär, Michael
Krizsanics (Krischanitsch),
(welcher jedoch schon 1788
einrücken mußte und danach
wieder auf diesen Posten
zurückkehrte), nach ihm
diente sein Sohn Franz bis
1874 als Notär in Bogarosch.
1796 waren
infolge der großen
Trockenheit und Hitze
sämtliche Feldfrüchte
missraten, nur die Hilfe der
Regierung rettete die
Bewohner vor dem Hungertode.
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Bogarosch
im 19. Jahrhundert
1804 hatte Bogarosch 1600 Einwohner, es
standen 210 Häuser im Dorf.
1816 - wurde die Orgel von Franz Wälter
aus Temeswar um 5.011 fl. erbaut. Die
Kirchenbücher berichten von einem ersten
Instrument mit 6 Registern. Die Orgel
hat eine mechanische Spiel- und
Registertraktur, die Werke befinden sich in
drei separaten Orgelgehäusen.
Der Winter war lang, anhaltend und eiskalt. Am
28, 29 und 30ten Jänner war die größte Kälte
seit Menschengedenken, 21° Reaúmur (etwa -26°
Celsius). Es wehte ein starker pfeifender
Wind, welcher einen höchst feinen Schnee in
solcher Tüchtigkeit herumtrieb das man größere
Gegenstände kaum auf 10 Schritt Entfernung
ausnehmen konnte. Der Schnee schmolz spät, die
Saat wuchs trotzdem, doch vor der Ernte kam
von Warjasch eine Wasserflut und überschwemmte
die Äcker. Das gesamte Getreide wurde
vernichtet. Auf den tief liegenden Teilen des
Hotters blieb das Wasser über mehrere Jahre
hindurch.
(Vgl.: hierzu: Als das Jahr ohne Sommer
wird das vor allem im Nordosten Amerikas und
im Westen und Süden Europas ungewöhnlich
kalte Jahr 1816 bezeichnet. In den
Vereinigten Staaten bekam es den Spitznamen
„Eighteen hundred and froze to death“, und
auch in Deutschland wurde es als das
Elendsjahr „Achtzehnhundertunderfroren“
berüchtigt. Als Hauptursache wird heute der
Ausbruch des indonesischen Vulkans Tambora
im April 1815 angesehen, der von
Vulkanologen als deutlich stärker eingestuft
wird als der Ausbruch des Vesuv im Jahr 79
n. Chr. und jener des Krakatau 1883.[Quelle:
https://de.wikipedia.org/wiki/Jahr_ohne_Sommer].
1817 war ein gesegnetes Jahr.
1823 erfolgte der Bau eines
Gemeindehauses, ein solches hatte die Gemeinde
in den ersten 54 Jahren keines, im Haus
des Schulzen wurden alle Verhandlungen
geschlichtet bei welchem sich auch die
Strafrequisiten, nämlich Schandpflock, Geige,
Eisenketten und Prügelbank sich in
Bereitschaft befanden. Die Geldzahlungen
wurden vom Kassier von Haus zu Haus
eingehoben.
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Gemeindesiegel
im 18. Jahrhundert |
Kirchensiegel
aus dem 19. Jahrhundert
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Gemeindesiegel
aus dem 19. Jahrhundert |
1830 - am 12. und 13. Januar fiel
dermassen viel Schnee, dass der Verkehr zu
den Nachbargemeinden völlig zum Erliegen
kam. Es wurde spät Frühjahr, im Juli und
August stieg das Erdwasser derart, dass die
meisten Keller voller Wasser standen und
infolgedessen sehr viele Häuser
zusammenfielen.
1831 - brach die Cholera aus, am 3.
September starben die ersten Kranken, bis
zum Abklingen, Anfang November, starben
insgesamt 17 Kranke.
1836 - bricht die Cholera erneut aus,
ein Cholera-Arzt aus Makó weilt im Ort,
innerhalb von drei Monaten starben von 700
Kranken 107. 1840- kostete ein Session Haus
und Feld 8000 fl Wiener Währung - Bogarosch
hat 2180 Seelen. 1841- mußte jeder Vater
welcher 6 Söhne hatte einen Rekruten stellen
oder einen von der Regierung als tauglich
anerkannten Mann kaufen ... 1844 - die neu
angesiedelte Gemeinde Ujhely wurde unserer
Pfarrei als Filiale zugeteilt.Die HOG Neusiedel
hat vor einigen Jahren eine gründliche
Ortsmonographie herausgegeben. Wir bringen
hier eine gekürzte Beschreibung des Dorfes
aus: "Csanad egyhazmegyei plebaniak
tortenete" (Die Pfarreien der Diözese
Csanad) von von Dr. Szentkláray Jenö,
Ausgabe 1898.
Ujhely-
Dorf im Komitat Torontál, Bezirk
Perjámos, 2 km östlich der
Mutterkirche entfernt.
Einwohnerzahl: 887 rk; 5 gk. Der Ort
wurde 1843 vom ungarischen
königlichen Fiskus auf dem Prädium
Pakácz zwischen Bogáros und
Sándorháza besiedelt. Die deutsche
Bevölkerung, die Tabak anbaute,
stammte aus den umliegenden Dörfern,
darunter Grabácz, Bogáros, Csatád,
Nagy-Jécsa und Sándorháza.
Ursprünglich bestand Ujhely aus 96
Häusern mit 500 Einwohnern. Der
Wohlstand der Siedler wurde vor
allem durch die reiche Tabakernte
gefördert, die die harte Arbeit der
Arbeiter stets mit einem sicheren
Einkommen auf dem hervorragenden
Boden belohnte. Seit 1886 entzog der
Staat ihnen jedoch die Lizenz zur
Tabakproduktion. Dies führte dazu,
dass das Dorf, das seitdem zu
florieren begonnen hatte, rapide
verfiel. Die angespannte finanzielle
Lage zwang die Siedler, einen Teil
ihres Landes an wohlhabendere
Nachbardörfer zu verkaufen.
Die Diözesanbehörden
schlossen Ujhely von Anfang an der
Pfarrei Bogáros zu. 1845 errichteten
die Dorfbewohner Kreuze im Zentrum
des Dorfes und auf dem Friedhof und
beteten zunächst im Freien vor
diesen Kreuzen. Im zweiten Jahr der
Ansiedlung wurde auf dem von ihnen
auf eigene Kosten erworbenen
Grundstück ein einklassiges
Schulhaus errichtet. Bis 1860
versammelte sich die Bevölkerung zum
Gottesdienst im Schulzimmer. 1861
wurde im Schulgebäude zudem eine
separate Kapelle zu Ehren der
Heiligen Dreifaltigkeit errichtet.
Gleichzeitig schlossen sie einen von
den kirchlichen und weltlichen
Behörden bestätigten Vertrag mit dem
Pfarrer von Bogáros. Dieser sah vor,
dass der Pfarrer an Sonn- und
Feiertagen in der Kapelle die Messe
abhält, den Kindern wöchentlich
Religionsunterricht erteilt und
regelmäßig Prozessionen und andere
kirchliche Zeremonien durchführt.
Für diese Dienste bezahlte ihn die
Gemeinde. Bischof Bonnaz stattete
die Schule 1869 mit einer Orgel aus
und machte sie zur Dorfschule.
Lehrer: Mathias Heber, Josef Kugler,
Jakob Schlosser 1844-1892; Jakab
Basch 1892 bis heute (1899 E.S.).

1845 -
standen 237 Häuser im Dorf, an der Kerwei
wurden erstmalig die Hüte der Burschen
geputzt.
1853 - Vergrößerung der
Gemeinde, Die „Kameral - Kleinhäuser" werden
in den Matrikelbüchern gelegentlich als Neu-
Bogáros bezeichnet. - Das heute noch
stehende Schulhaus wurde gebaut.
1854 - war der Weitzen
mißrathen - die Prügelstrafe wurde
gesetzlich verboten.
1859 - wurde das
Verwaltungsjahr vom 1 November auf den 1
Januar versetzt.- Vergrößerung der Kirche,
der Anbau von zwei Seitenschiffen begann am
30. September 1859, die so vergrößerte
Kirche ist am 8. September 1860 neu
eingeweiht worden.
1863 - zeichnete sich
durch außerordentliche Dürre und Trockenheit
aus und war beinah noch böser als das Jahr
1794. Die Gemeinde mußte ein Kosthaus
errichten für die Armen zu speisen (dieser
Zustand dauerte bis Mai 1864) doch war es in
Bogarosch nicht am schlechtesten ...
1864 - nach dem Dürrejahr
1863, wanderten etwa 2000 Personen, aus
Bogarosch und den umliegenden Ortschaften,
nach Rumelien aus. Von den dortigen
Grundherren nur ausgenutzt kehrten 1365
Personen im Spätherbst 1867 wieder ins Banat
zurück.
1868 - brannten die
Kleinhäuser Nr. 66, 67, 68, 69 und 70
gänzlich nieder.
1869 - die Gemeinde hat
2655 Einwohner - ab 1. Juli eigene
Poststation, erster Postmeister war der
Kaufmann Friedrich Ferch genannt "Fritzl".
1871- entstand ein
Leseverein im großen Gasthaus bei Kersch
Michael.
1873 - brannten die
Häuser von Nummro 88, 87, 86, 85 und 100b
gänzlich nieder.
1876 - entstand eine
Cassina (Casino) mit 32 Mitglieder mit
Statuten vom Staate. Das Gemeindehaus wurde
ganz aus Brennziegel gebaut welches 8981 fl
39 x gekostet.
1881 - wurde eine
Kirchenuhr zu Lasten der Kirchenkassa
angeschafft- das Grundwasser kam abermals
und blieb bis 1883 mit großem Schaden.
1887- wurde eine
Sparkassa mit 400 Actien und 20 000 fl
Stammkapital gegründet- wurde ein Leseverein
mit 485 Mitgliedern gegründet.
1894 - errichtete Bodway
Lajos die erste Apotheke in Bogarosch auf
dem Patronat der göttlichen Vorsehung,
selbige wurde 1896 an Schunck Richard
verkauft.
Bogarosch im 20. Jahrhundert
um 1900 begannen die großen
Auswanderungswellen nach Amerika, waren es
1900 14 Personen, die sich im Ausland
niedergelassen hatten, waren es 1910
bereits 177.- Die Temesvarer Zeitung
schreibt hierzu in der Ausgabe vom 06. Mai
1903: Den ausgewanderten Dienstboten
scheint es in Amerika nicht so rosig zu
ergehen, wie vielfach erzählt wird, denn
zwei Dienstmädchen aus Bogáros schrieben
an ihre Eltern, diese mögen ihnen Geld zur
Retourfahrt senden, sonst nehmen sie sich
das Leben. Amerika ist von dienenden
Mädchen überfüllt. Höchst selten findet
man einen Posten und Lohn wird immer
kleiner, denn, wenn eine Hausfrau um ein
Dienstmädchen sendet, so melden sich
mehrere Hundert, die um jeden Preis im
Dienst treten. Die armen Mädchen aus
Bogáros schildern ihr Elend in grellen
Farben und warnen alle Dienstmädchen vor
der Auswanderung nach Amerika.
1901 wurde der Kirchenturm, welcher
mit Schindeln gedeckt gewesen war, durch
einen neuen in Form einer Pyramide
ersetzt.
Das Banat besaß eines der
dichtesten Streckennetze Europas. Bzgl
des Bogaroscher Bahnanschlusses stellte
man Überlegungen an, die in der
Temesvarer Zeitung vom 08. Mai 1903
dargelegt wurden: Neue Bahn in
Torontal - Der Handelsminister hat
dem Szegeder Bauunternehmer Georg
Heitzmann und dem Zsombolyaer Advokaten
Dr. Nikolaus Reichrath die Konzession
für die Vorarbeiten einer normal,
eventuell schmalspurigen Lokalbahn auf
ein Jahr erteilt. Die neue Bahn soll von
Zsombolya aus gehen, die Gemeinden
Grabácz und Bogáros berühren, die
Temesvár - Nagy-szt-Mikloser Lokalbahn
in der Station Lovrin durchqueren, dann
weiters die Gemeinden Pesák, Perjámos,
Haulikfalva, Nagyfalu, Székesut und
Német-szt-Péter berührend in die Station
Pécska der Arader und Csanáder
vereinigten Bahnen einmünden, eventuell
aber von Bogáros abzweigen, die Gemeinde
Ujhely berühren, die
Temesvár-NagysztMikloser Lokalbahn in
der Gemeinde Sándorháza durchqueren und
dann mit Berührung der Gemeinden Knéz,
Kétfél, Kis-szt.-Peter und
Nemet-szt.-Peter in die Station Pécska
einmünden.
1910 - Bogarosch erhielt
Bahnanschluss, die Eisenbahnstrecke
Hatzfeld - Lowrin wurde am 17. Oktober
1910 eröffnet, es verkehren anfangs 6 Züge
am Tag.

Der Bogaroscher
Bahnhof bei der Eröffnung der
Eisenbahnstrecke Lovrin-Hatzfeld
am 17.10.1910
|

Fahrpläne für die Züge
der Strecke Lovrin - Hatzfeld und
Hatzfeld-Großbetschkerek. Die
Strecke nach Großbetschkerek war
eine Schmalspurbahn und verlief
fast zur Gänze auf dem Grund des
Grafen Csekonics. Sie wurde nach
der endgültigen Grenzziehung 1924
auf der rumänischen Seite
eingestellt, die Strecke abgebaut.
Die Strecke Hatzfeld - Lowrin
wurde 2014 eingestellt.
|
1914 in der Nacht des 26 Juli macht
Österreich-Ungarn mobil, von den 543
eingerückten Bogaroscher sind 84 gefallen
oder vermisst geblieben. Noch 1914 trat
der Staat mit einer Kriegsanleihezeichnung
an die Bevölkerung heran und wiederholte
dies noch öfters bis zum Ende des Krieges.
Man zeichnete im Laufe der vier Jahre
enorme Summen. Im Herbst 1918 waren die
Kriegsanleihen nur mehr Papierstücke ohne
Wert. Manche Familie verarmte völlig.
1918 zum Ende des Jahres besetzten
die Serben Bogarosch und verblieben bis
zum 27 Juli 1919, am 3. August zogen
rumänische Truppen in Temeswar ein.

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Warenhaus Feiler und das
Bogaroscher Gemeindehaus
am Vorabend des ersten Weltkrieges.
|
Von den im zweiten Weltkrieg eingerückten
Bogaroscher sind 12 in der rumänischen
Armee und 44 in der Deutschen Armee
gefallen oder vermisst, 67 kehrten nicht
mehr in ihre Heimat zurück, sie fanden in
Deutschland, in Österreich und in den USA
eine neue Heimat. Im Herbst 1944 im Herbst
wurden die deutschen Ortschaften im Banat
mit Kolonistenfamilien aus den rumänischen
Kernländern durchsetzt. Am 14. Jänner 1945
begannen die Verschleppung der
arbeitsfähigen deutschen Bevölkerung zur
Zwangsarbeit in die Sowjetunion.
Agrarreform in Rumänien. Enteignung von
Maschinen, Ackergeräte, Vieh- und
Bodenbesitz, damit wurden 1947 die
Staatsfarm (I.A.S.) und die
Landwirtschaftliche
Produktionsgenossenschaft (C. A. P.)
gegründet
1951 begann die Verschleppung in
die Bârâgansteppe. nach 5 Jahren kehrten
die Überlebenden zurück, von den 295
deportierten Bogaroscher sind 27 dort
verstorben. Um 1955 setzten Auswanderung /
Familienzusammenführung ein. 1968 wurde
die Gemeinde Bogarosch aufgelöst,
Zugehörigkeit zur Großgemeinde Lenauheim.
1987 -Die deutsche Einwohnerschaft
feiert zum letzten Male Kerwei in der
alten Heimat, 7 Kerweipaare marschieren
durch die Hauptgasse. Ab 1990 gab es kein
deutscher Schulunterricht mehr in
Bogarosch, in den Jahren davor nur die
Klassen 1-4, mit einräumigem Unterricht.
Etwa 1992 verließen die letzten
deutschstämmigen Bogaroscher Rumänien, die
Pfarrei Bogarosch wurde aufgelöst und der
Pfarre Lowrin als Filiale zugeteilt.
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