Lebensläufe
herausragender Landsleute
Bogarosch hat im Laufe der
Geschichte zahlreiche bedeutende
Persönlichkeiten hervorgebracht. Zu verdanken
ist dies teilweise dem äußerst segensreichen
Wirken der Lehrerfamilie Ferch in unserer
Gemeinde. Deren erster Vertreter in Bogarosch,
Mathias Ferch, legte bereits großen Wert
darauf, daß aus seiner Schule eine
überdurchschnittliche Anzahl an "Studierten"
hervorging. In dieser Tradition wurde die
Bogaroscher Schule auch nach 1897, der
Pensionierung von Josef Ferch, weitergeführt.
Im Folgenden werden einige dieser
herausragenden Landsleute vorgestellt. Diese
Lebensläufe bilden ein beeindruckendes Mosaik
kultureller, wissenschaftlicher und sozialer
Leistungen.
Sie sind nicht nur ein Zeugnis der Talente,
die Bogarosch hervorgebracht hat, sondern auch
ein Ansporn für künftige Generationen, ihre
eigenen Träume zu verfolgen und einen
positiven Einfluss auf die Gesellschaft
auszuüben.
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Josef
Ferch - Pädagoge und Komponist - Geboren
am 31. Januar 1840 als Sohn des Oberlehrers
Mathias Ferch und seiner Ehefrau Josefa
geb.Trautner in Bogarosch, übernahm
1862 nach dem Tod seines Vaters die
Stelle des Oberlehrers in seinem Heimatdorf.
Im Jahre 1867, am 14 Februar, heiratete er die
Tochter des Lowriner Oberlehrers Josef
Eisenkolb, Crescentia Wilhelmine.
Friedrich Ferch porträrtiert den Bogaroscher
Oberlehrer 1924 im "Heiderösleinkranz",
der Festschrift anläßlich der 150 Jahresfeier
der Ortsgründung.
Der Herr Oberlehrer
Nicht nur von seinen Schülern, sondern weit
und breit von allen, die ihn kannten, wurde er
so genannt. Und das war er auch. Ein echter
Herr im guten und schönen Sinne des Wortes.
Eine stattliche Erscheinung, schönes Benehmen,
streng doch gerecht, gebildet gastfreundlich
und im Verkehr mit seinen Schülern und
Volksgenossen leutselig und angenehm.
... Mit seiner ganz modernen Lehrmethode
erzielte unser guter Oberlehrer außerdem, dass
seine Schule weit und breit als Musterschule
galt, auch noch das, dass er eine ungeahnte
Anzahl lernbegieriger Jünger schuf. Wenn er
dann, mit den Eltern über den Fortschritt
ihrer Kinder verhandelnd, diesen sagte: "Sie
müssen ihren Sohn studieren lassen" oder bei
minder wohlhabenden sich äußerte: "Wenn es nur
möglich ist lassen Sie ihr Kind studieren" so
war das eine Gewißheit, dass der Sohn für
Kopfarbeit, fürs Weiterlernen ohne Gebrechen
tauglich war. Dieser Aneiferung war es zu
verdanken das aus unserem kleinen Heimatdorf
mit damals kaum 3000 Einwohnern mehr als 260
diplomierte Herrische hervorgingen.
Ein gediegenes Wissen und Können in vielen
Wissenschaften und Künsten halfen auch mit -
immer den Kern der Sache treffend - einen
ungewöhnlichen Pädagogenerfolg zu erzielen.
Wer seine Zeichnungen und Ölgemälde sah,
glaube mit einem Künstler zu tun haben;
wer sein künstlerisches Klavier- und
Orgelspiel hörte, seinem prächtigen Gesang
lauschte, meinte, er wäre der vollendete
Tonkünstler. Seine Unterlehrer, die ihm beim
Organistendienste behilflich waren, wurden zu
regelrechten Organisten erzogen. Sie bekamen
von ihm die Orgelbegleitungen der
Kirchenlieder in mustergültigem Orgelsatz und
hatten nach tüchtiger Ausbildung bei
Konkurrenzen den anderen Bewerbern gegenüber
ein leichtes Spiel. Es war eben eine gute
Empfehlung seine Fortbildung beim Herrn
Oberlehrer Ferch genossen zu haben.
Die Kirchenmusik in Bogarosch war eine
berühmte, nicht nur auf der Heide, sondern
auch über sie hinaus, dank der künstlerischen
Bildung und Begabung dieses
Gemeindelehrmeisters. Wenn an großen Festtagen
- so am Kirchenfeste am 15. August - außer
Orgel und Gesang auch noch die
Blech-Musikkapelle des Dorfes anstimmte, so
wurde vor der „großen Messe" in einem
Schulzimmer erst eine sehr strenge Probe
gehalten und erst, wenn die Kapelle an
Probesende einen lustigen Marsch anstimmte,
dann wussten wir draußen lauschenden Kleinen,
dass Alles in Ordnung war. Im Hochamte
ertönten dann die einstudierten Lieder mit
Orgel- und Orchesterbegleitung von einer
anmutigen Schar schwäbischer Sängermädel
gesungen in feierlichster Weise. Der
bescheidene Chroniker dieser Zeilen ist seit
dieser Zeit schon viel in der Welt
herumgeflogen, doch kann er wahrhaftig sagen,
dass er etwas feierlicheres als ein solches
Hochamt in der kleinen Dorfkirche, oder bei
der Frohnleichnamsprozession oder österlichen
Auferstehung nirgends anderswo erlebt hat. Es
zittern die Gefühlssaiten seiner Seele auch
heute noch bei diesen feierlichsten
Erinnerungen, während die rasselnde
Schreibmaschine diese Zeilen aufs Papier
bringt. Selbst feine Musikkenner haben diese
Andachten mit wahrem Hochgenusse und Respekt
bewundert.
Die auch im Druck erschienene
Klavierkomposition "Erinnerungen an Graz",
gewidmet den Schwestern Irma v. Fürst und Anna
v. Humayer, geb. von Kempski, bestätigt die
musikalisch schöpferische Kraft dieses großen
Kantors. Es ist mir auch heute noch in bester
Erinnerung, wie ich an Werktagen in der
stillen Messe manchmal ganz neue, schöne, noch
nie gehörte Kirchenlieder in formvollendeter,
künstlerischer Weise, von seinem wundervollen
Organe vortragen hörte. Vor ihm der Text des
Liederbuches, die Melodie, völlig neu, im
Augenblick des Vortrages ersonnen, mit schönem
Orgelsatz umsponnen, alles auf einmal erdacht,
sogleich ausgeführt und nach dem Verhallen in
der kleinen Dorfkirche allsogleich dem
Vergessen preisgegeben… Das waren nicht nur
Improvisationen ersten Ranges, sondern auch
das andächtigste Gebet einer glaubenden Seele,
welches dem Allmächtigsten, dem Geber solcher
Gaben, nur dargebracht werden kann… Sie wurden
nicht gesammelt, nicht abgeschrieben, es
wurden statt ihrer immer neue erschaffen.
Der Schulgesang in seiner Klasse war dem
entsprechend auf hoher Stufe. Alle Schüler
mussten singen und wurde keiner wegen seines
schlechten Gehörs - wie es mancherorts üblich
war - ausgeschaltet. Ein Harmonium, auf
welchem manchmal einer seiner kleinen
Musikschüler den Kinderchor begleiten musste,
verhalf zur musikalischen Bildung. Die
Sängermädchen waren indes aus der Reihe der
aus der Schule schon ausgebliebenen
Schülerinnen mit glockenreinen Stimmen erwählt
und leisteten vorzügliches.
...
Bei solchen Fähigkeiten ist es nicht zu
wundern das Josef Ferch öfter Gelegenheit
gehabt hätte auch höhere Stellen zu begleiten.
Er mußte bei den damals eingeführten
Lehrerfortbildungsanstalten Vorträge halten.
Auch sollte er Schulinspektor dann Direktor
der Hatzfelder Bürgerschule werden. Aus
verschiedenen, aber stichhaltigen Gründen
lehnte er diese Auszeichnungen dankend ab und
blieb bis zu seiner Pensionierung im geliebten
und durch sein Wirken hochgehobenen Geburtsort
Bogarosch.
Das er seinerzeit den Bogaroscher
Männergesangsverein ins Leben rief, sich in
der Bienenzucht Verdienste und Auszeichnungen
erwarb, unter anderem durch die Herstellung
von Kunstwaben, ein passionierter Photograph
war und sich als leidenschaftlicher Jäger oft
der freien Natur freute soll nur nebenbei
erwähnt werden.
...
Im Jahre 1897 schied er aus gesundheitlichen
Gründen aus dem Lehreramt, es folgten Jahre
des unruhigen Wanderns in Stadt und Dorf,
nirgends fand er Ruhe und Rast. Die
Heimatliebe und das Heimweh nach seinem Dorf
welchem er seinen Geist und sein Leben
geopfert hatte plagten ihn beständig bis zu
seinem am frühen Morgen des 4 April 1902 in
Perjamosch erfolgten Tode. Er wurde nur 62
Jahre alt.
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Die
Lerche der Banater
Heide - Johann Szimits wurde
am 5 Juli 1852 als Sohn des Stiefelmachers Paul
Thoma Szimits und seiner Ehefrau Eufenia
Zsivanovics in Bogarosch geboren. Da die Eltern,
zugewanderte Serben, orthodoxen Glaubens waren
liessen sie ihren Sohn in einer Nachbargemeinde
in einer Kirche dieser
Glaubensgemeinschaft taufen. Dies erklärt die
Tatsache, dass der Name Szimits nicht in den
römisch-katholischen Matrikeln der Pfarrei
Bogarosch erscheint. Warum die Szimits´
nach Bogarosch kamen, ist nicht überliefert
jedoch: Mitte des 19 Jahrhunderts sind, nach
serbischem und ungarischem Vorbild, die Stiefel
- die Tschismen - bei den Banater Schwaben in
Mode gekommen. Dieser Umstand hat eine große
Nachfrage in den deutschen Dörfern
hervorgerufen, und Bogarosch musste demgemäß dem
Tschismenmacher Paul Thoma Szimits als
vielversprechendes Betätigungsfeld erschienen
sein. In Bogarosch besass die Familie kein
eigenes Haus und Feld. Das Haus Nr. 523 (alt
175) soll das Geburtshaus des Dichters gewesen
sein, wo die Familie Szimits in Untermiete bei
Mathias und Katharina Martin gewohnt haben
dürfte.
In Bogarosch wuchs der Dichter
heran und hier wo er von klein auf mit deutschen
Kindern spielte und wo er das Leben, das
Arbeiten und Feiern des schwäbischen Bauern als
voll akzeptiertes Mitglied der Dorfgemeinschaft
und nicht als Außenseiter erfuhr, wurde er
selbst zum Banater Schwaben. Er wuchs in dieses
Volk hinein, man weiß, dass Szimits - im Sinne
jenes heute nicht mehr vorhandenen, typisch
altbanater Menschenschlages - neben Deutsch auch
die übrigen gängigen Sprachen beherrschte:
Ungarisch, Rumänisch und Serbisch.
Als Szimits in die Schule kam unterrichtete in
Bogarosch der Oberlehrer Mathias Ferch. Dieser
war ein Pädagoge von besonderem Format dessen
berechtigter Stolz es war, dass aus "seinem" Ort
besonders viele Intellektuelle hervorgegangen
sind. Ferch erkannte bald in Johann Szimits
einen besonders aufgeweckten, lernbegierigen
Jungen und brachte ihm seine besondere Sympathie
entgegen. Szimits wurde so der Lieblingsschüler
Ferchs, der seinerseits den Lehrer auch nicht
enttäuschte trotz vielen Fehlens vom Unterricht
- das Zeugnis für das Schuljahr 1863/64 weist 75
Tage Abwesenheit wegen häuslicher Arbeiten aus.
Das eben genannte Abschlusszeugnis - mit diesem
verließ Szimits wie allgemein üblich im Alter
von 12 Jahren 1864 die Schule, - bescheinigte
ihm sehr gute Deutschkenntnisse und erteilte ihm
die Höchstnote: "I Kategorie mit Vorzug".
Die Eltern waren nicht soweit begütert dass sie
ihren Sohn weiter zu Schule schicken hätten
können, und so gelangte der Junge zu seinem
Vater in die Lehre. Diesem stand aber keineswegs
der Sinn danach ein Schuster zu werden. Jede
freie Minute nutze er um sich weiterzubilden,
begierig verschlang er jedes Buch das ihm in die
Hände fiel. Auch noch in späteren Jahren
arbeitet der Autodiktat Szimits an seiner
Weiterbildung. Seine jüngste Tochter, Maria
Serena berichtete darüber: "Er studierte gerne
und viel, alles was ihn daran hinderte war ihm
leidig".
Als 1870 der in Utvin lebende Großvater starb,
zogen die Szimits dahin um den geerbten
bescheidenen landwirtschaftlichen Besitz zu
bewirtschaften. Nun ging es der Familie
materiell besser, sie bauten sich ein Haus und
dem 18jährigen Sohn Johann richteten sie einen
kleinen Krämerladen ein, Der Vater hatte wohl
eingesehen dass sein Sohn keine besondere
Hingabe weder für den Schusterberuf noch für die
Landwirtschaft besaß. Auch hier im Laden nutze
Johann Szimits jede freie Minute um sich
weiterzubilden, er las jedes Buch dessen er
habhaft werden konnte.
1873 musste der mittlerweile 21jährige zum
Militär. Er rückte zu 61 Regiment nach Temeswar
ein, dem er sich zeitlebens verbunden fühlte. er
erinnert sich: "Die schönst Leut vun dr ganz
Umgebung sin doch die Eenunsechziger! Wann eener
saan wellt: "´s is net wohr!" dem hauet ich em
ens uf die Kerbs, daß´s de höchscht
Dampfmühlraachfang for e Pfeifferöhre un die
Domkerch for e Rackibrennerei anschaue tät. Fix
Gramatanten un Guvernante üwrenanner, ich sin
halt dr Allerfeschesti vun die 61er."
Szimits lag der Dienst bei Militär, in der k.u.k
Armee fand er seine zweite richtige Heimat. Er
zeichnete sich "durch mustergültige Aufführung,
brave Dienstleistung, vielseitige Verwendbarkeit
und guten Verstand" aus und wurde auch hier der
Liebling seiner Vorgesetzten. Schnell machte er
Karriere und stieg zum Unteroffizier auf. Nach
abgeleisteter Dienstzeit entschied er sich zum
Verbleib in der Armee als länger dienender
Unteroffizier.
Am 17 Februar 1879, im Alter von 27 Jahren
heiratet der Dichter die aus Albrechtsflor
stammende Elisabeth Leser. Er muss damals ein
stattlicher junger Mann gewesen sein. Seine 1972
einzig noch lebende Tochter Serena Maria
schildert ihn so: "Er war hochgewachsen (183
cm). Sein Wesen war ernst. Er besaß eine
gewaltige Singstimme und musizierte gerne. Er
zeichnete schön und hatte eine ausgeprägte
Schrift. Alkoholische Getränke genoss er nicht,
doch rauchte er Zigarren. Auch war er ein
angenehmer Gesprächspartner ..." Mit seiner
Verehelichung verbindet sich auch die erste
Erinnerung ans Szimits´ dichterisches Schaffen:
seiner Braut schrieb er ein Gedicht - sein
erstes Gedicht. Sein zweites Gedicht folgte zur
Geburt des ersten Kindes, womit sein fruchtbares
literarisches Schaffen den Anfang nahm.
Temeswar
und Wien: es war die große Stadt, in der
Szimits seit seinem 21 Lebensjahr leben musste
und wo er äußerlich zum „Herrischen" wurde.
Doch das war nicht seine Welt, seine Welt war
das schwäbische Dorf der Banater Heide, dieses
Gebiet der unendlichen Weiten, der Ebene
westlich der Hauptstadt Temeswar. Dieses
Verhältnis zu Banater Heide war offensichtlich
viel mehr als nur eine gefühlsmäßige Beziehung
zu einer Landschaft und ihren Menschen. Für
Johann Szimits war dieses Stückchen
schmuckloses Flachland hinter Temeswar der
Boden, der ihn trug, als Mensch und Dichter.
Es ist ein Land das sich in seiner Offenheit
gleich ganz anbietet, und das sparsam in der
Mitteilung ist, weil es so einfach ist mit
seinen großen Äckern und seinen geordneten
Dörfern. Man muss diesem Land angehören, um es
zu begreifen. Johann Szimits war ein Teil
dieser Banater Heide. Sein Sehnen und Fühlen
gehörten dahin, seine Dichtung wurzelt in der
Realität des banatschwäbischen Dorfes. Dessen
Wirklichkeit ist es die in seinem Werk lebt
und die er in einer heiter - verklärten Weise
darstellt. Sein dichterisches Werk hat hier,
in dieser Landschaft mit ihren Menschen seinen
Ursprung, seine schöpferische Kraft wurzelte
darin. Die Welt, das war nicht Wien, das war
die Dorfstraße in Bogarosch, und die Zensur
saß für ihn nicht in Budapest, sondern in den
schwäbischen Bauernhäusern im Banat. Was da
nicht ankam, war zweifellos verfehlt.
Auf dem
Höhepunkt seiner Kräfte und völlig unerwartet
starb Johann Szimits am 26 März 1910 in
Mödling nachdem er tags zuvor einen Hirnschlag
erlitten hatte. Er wurde auf dem Mödlinger
Friedhof beerdigt.
Quellen: 1. Gottfried Habenicht: Pipatsche
un Feldblume vun dr
Heed;
- Kommentierte Ausgabe
der banatschwäbischen Volksliedersammlung
des Johann Szimits von 1908. 2
Johann Szimits - Der "Lerche der Banater
Heide" zum Gedenken, Wien 1963. 3.
Heinz Franz: Daheim bei Szimits. Artikel
im "Neuer Weg" vom 15.02.1969
|
Möcht
manchmol in Bogarisch sin,
Wann grad die Kerweihzeit.
Do
denk ich: "Oha!" weil vun Wien,
Der
Wech is viel zu weit.
Ich
kumm, laaf ich mich halwr todt,
Mit
Schuschtrsch Rapp zu spot!
Ich
möcht mer wähle dort e Haus,
Wu
grad der Tisch is ´deckt.
Daß
aa bei mir der Appetit,
Dorch Faschte wär geweckt.
Un
daß ´s der Müh a wert tät gin,
Mei
Riem´ müßt locker sin!
Ich
möcht am Kerweihkuche rum,
Mol
schneide so im Krees.
Das
abdeckt werd, so lang was do,
Des
machet mich nor bös.
Tät
trinke: "Hausfrau 3 mol hoch!"
Un
saan: "Jetz gif m´r noch!"
Ich
wollt im Wert seim Keller sin,
Wann er am Pipe dreht.
Dort möcht ich uf der Ufpaß gsiehn,
Ob
aa dort Wasser steht.
Wann ich´n Wein tät taafe gsiehn,
Tät
er e Tachtl krien!
Ich
wollt ich wär e Kerweihbu,
Gepuzt mit Hut un Band.
Un
tät vun Mädle ´s Allerschönscht,
Dort führe an der Hand.
No
tät als luscht´cher Kerweihbu,
Ich
juxe: "Hujujuu!".
Ich
wollt mei Mädl führe no,
Zum
Majebaam um´s Faß,
Mein Weinflasch werfet ich in d´Höh´,
Bis
in die nächschti Gaß.
Un
no, de Vortanz, Ihr tät gsiehn,
De
müßt mei Mädl krien!
No
möcht ich bei de Anre aa,
Beim Susi, Leen und Greet,
Beim Marjan, Amei, Kati gsiehn,
Ins
Herz, wies dort drinn steht.
Glaab: ´s müßt e großr Tanzsaal sin,
Voll Kerweihbuwe drinn.
No
möcht zu ihrm Schutz e mol,
Ich
ihre Heilche sin.
Möcht Jeds vrschreiwe ihrm Bu,
So
wie e Medizin.
Sunscht, heutichs Taachs,
´s
manchmol schwer,
Gschieht oft e kleens Malheur.
No
hätt im Wertshaus ich gern ghuckt,
Mol
im Bekanntekrees.
Hätt gern vrzählt, daß Alles lurt,
Un
ghört was Jedr weeß.
Mr
zehrt jo gern wann alt genung,
An dr Erinnerung.
***a
E gutes Weib
„Ei
Hans, schlawans,
was machscht dann so grob,
Was huscht un rennscht rum im Galopp?"
,,Ei Pittche, Schlawittche,
des geht dich nix an,
Ich husch halt un laaf, wie ich kann.
Mei Resi, die besi, die hat sich heit bsoff,
Drum war ich zum Doktr geloff.
Die Milich is billich, drum stell dr nor
vor,
Was do drmit angstellt is wor.
́s is traurich, ganz saurich
stellt sie's vor sich hin,
Mit broteni Backhendl drin.
Da eßt se un freßt se
die Schissl ganz leer,
Un glei no war fertich ́s Maleer.
Un Fratche, Bagatche,
de hat se druf gsoff,
Bis alles is iwrgeloff.
Jetz laaf ich un kaaf ich
was in mit Rezept,
Daß weitr des Ludr nach lebt.
Un du, schau drzu,
wann du heiratscht emol,
Ke Dummi un Bsoffeni hol.
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Egydius Haupt - Mundartdichter
und Schriftsteller - Er
wurde am 23. August 1861 in Bogarosch,
als Sohn der Eheleute Ägydius
Haupt und Elisabeth Thierjung geboren. Nach
dem Besuch der Volksschule in Bogarosch,
lernte er Schmied beim Bogaroscher
Schmiedemeister Johann Esslinger. von
1882 bis 1884 erfolgte das Studium am Wiener
Tierarzneiinstitut, war danach als
Veterinär im Banat in den Ortschaften Billed,
Sekeschut, Baratzhausen und von 1897 bis 1928
in Sackelhausen tätig. Nach seiner
Pensionierung in Jahrmarkt wohnhaft, wo
er bis zu seinem Tode am 14. August 1930 in
schriftstellerisch tätig war.
Ab dem 26 Lebensjahr als Autor von
Mundartgedichten und Erzählungen in
Erscheinung getreten war er auch
ständiger Mitarbeiter der Zeitung
Südungarische Reform sowie dem Pester Lloyd.
Zu seinen Werken zählen:
Banater Kleenichkeite - Gedichte und
Erzählungen, Temeswar, 1903.
Einiges aus „Banater Kleenichkeite“,
Temeswar, 1908.
Geschichte der Gemeinde Sackelhausen
mit kurzem Rückblick auf die Vor- und
Türkenzeit des Banats, Temeswar, 1925.
Das dritte Aufgebot. Die Einwanderung
der Schwaben unter Kaiser Josef II,
Manuskript, 545 Blätter; Jahrmarkt, 1929.
...
Für die Bereicherung dieser
Liedersammlung, die ich sehr eifrig
betrieb, stand mir eine schier
unerschöpfliche Quelle zur Verfügung. Es
handelte sich um eine Witwe, die wohl die
Fünfzig schon um einige Jahre
überschritten hatte und in deren "Fabrik"
Abend für Abend, Sommer wie Winter der
Gesang nicht verstummte. Es war eine Frau,
die auch die größten Schicksalschläge
nicht mürbe gemacht haben und die allen
auf sie einstürmenden Gewalten getrotzt ,
allem Kummer und allen Sorgen tapfer Stand
gehalten hatte. Arm, wie eine Kirchenmaus,
ihre ganze Habe bestand aus der
allernotwendigsten Zimmereinrichtung, zwei
Betten, einer Truhe, einem Tisch und zwei
Bänken, sonst nannte sie von der
Herrgottwelt nichts ihr Eigen, war sie
trotzdem fröhlichen Herzens, hatte guten
Humor und stets ein Lied auf ihren Lippen.
Die meisten Abende verbrachte sie in ihrer
"Fabrik", wo besonders des Abends recht
fleißig gearbeitet wurde. Erzeugt aber
wurden hier Zigarren. Namentlich vier
Sorten, und zwar sogenannte "Lange" zu 1
Kreuzer das Stück, "Kurze" zu 3 Kreuzer
das Paar, dann noch "Kuppen" und
"Virginia" zu 3 Kreuzer das Stück.
Als Einlage bei den "Watschienern", wie
wir die Zigarren nannten, wurden die
oberen, dünneren Teile des Kornstrohhalmes
benützt, während die unteren, stärkeren
und hohlen Halmteile als Mundstück
dienten. Durch diese wurden die
Einlagehalme durchgeschoben. Als
Fabrikleiter funktioniert ihr 17 Jahre
alter Sohn Hans, der den Namen Zigari-Hans
trug und unter diesem nicht nur in
Bogarosch, sondern auch in vielen
umliegenden Dörfern bekannt war und dessen
Familiennamen kaum jemand kannte. Er hieß
Johann Berger, das aber wussten die
wenigsten. Er war für alle und überall nur
der Zigari-Hans, wie auch seine
Mutter nur den Namen Zigari-Bawi
führte. Geschwister waren sie nicht
weniger als acht, von denen drei, der
große Peter, der Schili und die Kathi
verheiratet waren und an dem Fabrikbetrieb
keinen Anteil hatten.
Dann waren die Leni, der kleine Peter
(ein 21 Jahre alter Goliath), aber da
schon ein großer Peter in der Familie war,
blieb er sein Leben lang der kleine Peter.
Er hörte auf den Namen "Hosz-Trafik", nach
welchem er allgemein bekannt war und auch
kaum anders genannt wurde. Diesen Namen
erwarb er sich, als er noch in jüngeren
Jahren ständiger Mitarbeiter in der Fabrik
war und besonders den Verschleiß besorgte.
Da hieß es dann gewöhnlich, Peter, hosz
Trafik, das verbeitete sich und blieb an
ihm haften. Da war neben den beiden, der
Leni und dem kleinen Peter noch die 19
Jahre alte Madlen, die nie abends
ohne ihren Geliebten, den langen
Sepp, genannt "Asla" kam und der jüngste,
der 15 Jahre alte Friedl. Diese
vier Letztgenannten waren auf
Bauernhöfen in Dienst und kamen nur
abends, wenn es ihnen die Zeit erlaubte,
um in der Fabrik mitzuhelfen und an den
Gesangsstunden teilzunehmen. Sonst
arbeitete Hans allein, da die Mutter
tagsüber meistens mit der Ware hausieren
ging. ...
Aus dem Manuskript "Leben
ohne Anfang, ohne Ende" von Egydius
Haupt , Faksimile bearbeitet und
heraugegeben von Herbert Haupt.
|
Der
Werdegang eines Ferch-Schülers
Ingenieur Josef Popp
1856-1922
Seine
Wiege stand am Ende des Dorfes, im letzten
Hause der Schulengasse und er fand durch die
schule den Weg den höchsten Würdenträger des
Staates, deren vollstes Vertrauen er sich
erwarb, die ihn zu ihrem Mitarbeiter erkoren,
sein Wissen und Können in Anspruch nahmen und
ihn mit Ehren behandelten, als einen treuen
Diener des Staates. Er war ein selbstgemachter
Mann in des Wortes edelster Bedeutung.
Uneigennützig, selbstlos, von puritaner
Einfachheit, die er bis zu seinem Lebensende
sich bewahrte, auch in höherer Stellung nicht
verblendet wurde. Er stand im öffentlichen
Dienste und brachte es zu hohem Rang und
Ehren. Auf irdische Güter jedoch, außer einer
zufriedenen und vergnügten Lebensweise, war
sein Sinn nicht gerichtet.
Geboren am 4. Februar 1856 in Bogarosch, war
er das Kind armer Eltern und von 7
Geschwistern das dritte. Der Vater, Friedrich
Popp, war Kürschner; ein ruhiger, gediegener
Mann. Die Mutter, Margaretha Schütz, lebhaft
und rührig; beide Eltern - außerordentlich
tätig und fleißig - hatten sich schon ein
Häuschen am Ende des Dorfes erworben. Die
Kinder waren glücklich veranlagt, insbesondere
der älteste unter den 3 Knaben: unser Josef.
Er erregte die Aufmerksamkeit des Oberlehrers
Ferch, der sich seiner annahm und ihn außer
den Schulgegenständen auch im Zeichnen und in
der Musik - an der Violine - unterrichtete.
Besonders im Zeichnen machte er große
Fortschritte.
„Sie müssen Ihre Kinder lernen lassen”, meinte
der Oberlehrer zum Vater Popp’s. Es wäre
schade, so gute Anlagen verkümmern zu lassen.
Vater Popp stimmte seiner Ansicht im stillen
bei; er hatte jedoch außer dem Häuschen kein
Vermögen und grübelte nach, wie könnte er
seine Kinder lernen lassen? sie berieten sich
mit dem Oberlehrer und das Ergebnis war für
ihn ein großer Entschluss: er verlauft das
Häuschen und zieht in die Stadt - nach
Szegedin, das Mekka der damaligen Studenten.
Für den Erlös des Hauses hoffte er sich in
Szegedin einzurichten und das Handwerk dort
weiter zu betreiben. Die Kunden wollten sich
jedoch in der fremden Stadt nicht recht
einstellen, und die Mittel zum Ausharren waren
zu gering. Nach einem Jahr Aufenthalt in der
Stadt musste er, nach Einbuße des Hauses,
zurück ins Dorf, wo er nun in Zins wohnte.
Der kleine Josef besuchte in Szegedin die
Realschule, für die er von der Dorfschule her
sehr gründlich vorbereitet war. Trotz
anfänglicher Sprachschwierigkeiten war er am
Ende des Schuljahres der beste Schüler der
Klasse. Besonders war es sein Zeichentalent,
welches dem Professor Alois Landau auffiel. Er
hatte seine Freude daran, den Kleinen Josef
auf die Knie zu nehmen und zeichnen zu lassen,
nach einem Muster oder mit freier Fantasie;
er, der Professor, indessen vergnügt dem
Seelenausdruck folgte, der sich in dem Bildern
des kleinen Josef offenbarte.
Als die Frage auftauchte, das die Eltern
zurück müssen nach Bogarosch, und was mit dem
kleinen Josef geschehen soll, legte sich
Professor Landau ins Mittel und nahm sich
seiner an. Er gab ihn zu seiner Schwester,
einer bemittelten Witwe, die auch einen Sohn
hatte, einen Schulkollegen von Josef. Dieser
war etwas verwöhnt und ein schwacher Student.
Professor Landau versah den Kleinen Popp sogar
mit etwas Taschengeld und außer der Kleidung
hatten die Eltern keine sorge mehr mit ihn.
Der Kleine Josef hatte so einen guten Einfluss
auf den jungen Knothy geübt - dies war die
Familie - das er als Kind des Hauses galt.
Beide Jungen lernten zusammen und der junge
Knothy verließ die Mittelschule mit der
Klassifizierung „Vorzüglich“. Popp war der
Erste in der Klasse.
Zwei seiner Professoren: Landau und Porsas,
letzterer für darstellende Geometrie, jener
für Zeichnen waren ihm besonders gewogen.
Beide kamen inzwischen nach Budapest an die
Oberrealschule in der Fabriksgaße. Dort
ebneten sie Popp den Weg zur technischen
Hochschule: Er wollte Ingenieur werden, für
welches Fach er besondere Anlagen hatte. Doch
es war noch ein langer Weg: Fünf Jahrgänge und
ohne Mittel in die Hauptstadt wandern, diesen
Weg wollte Popp verkürzen. Während der
Ferienzeit bereitete er sich aus den
Gegenständen des ersten Jahrgangs vor, bestand
die Prüfung vorzüglich und ward in den zweiten
Jahrgang aufgenommen. Bei der Realschule aber,
an welcher beide Gönner Popps wirkten, war
Professorenmangel und eine Hilfskraft war
notwendig. so wurde dann Popp als Hilfslehrer
mit einem Jahresgehalt von 800 Gulden
angestellt. Dabei hatte er wöchentlich nur 8
Stunden zu unterrichten und der Stundenplan
ward so verfasst, das diese 8 Stunden nur an
Nachmittagen zu halten waren; seine Studien
wurden daher kaum beeinflusst. Außerdem
erteilte er noch Privatunterricht und konnte
sich noch Geld erübrigen für die Zukunft.
Gegen Ende des Schuljahres, es war im Juni
1875, waren die üblichen Wettbewerbsprüfungen
der besten Schüler von den zwei ersten
Jahrgängen. Jeder konnte sich zu diesen
Prüfungen melden, der die Kolloquien des
Jahres vorzüglich bestand. Der erste Preis war
mit 300 Gulden, der zweite mit 50 Gulden
ausgesetzt. Popp erhielt den ersten Preis und
wurde zugleich mit einem Staatsstipendium von
jährlichen 300 Gulden für seine ganze
Studienzeit bedacht. Auch für das laufende
Schuljahr 1874-75 wurde ihm das Stipendium
ausgezahlt. Aus seinen Ersparnissen und dem
unerwartet zugeflossenen Gelde, kaufte der
dankbare Sohn seinen Eltern wieder ein
Häuschen, jenes, welches sie im Zins bewohnten
und nun bis zu ihrem Lebensende als ihr
Eigentum behielten. Im Besitz eines
Staatsstipendiums und durch Erteilen von
Unterricht, war Popp nun in der Lage, seine
Studien sorglos beenden zu können. Bei seiner
mathematischen und zeichnerischen Begabung
waren ihm diese Studien eine Leichtigkeit
geworden und er oblag ihnen mit einer wahren
Begeisterung. Den Grundstein aber für dieses
Studium legte schon im der Elementarschule der
Oberlehrer Ferch. Er war diesem auch stets
dankbar bis zu seinem Lebensende und Ferch
hatte seine Freude an den Erfolgen Popps,
seines Schülers, eine Genugtuung, die sich
nicht nicht mit Gold bezahlen lässt.
Nach Beendigung der Hochschule kam das
Einjährige Freiwilligenjahr für Popp. Er war
eher von schmächtigem als kräftigem Körperbau,
für den Frontdienst nicht recht geeignet, so
kam er nach Rekrutenausbildung und ärztlicher
Überprüfung, für den Frontdienst untauglich,
in eine Militärkanzlei in die Karlskaserne, wo
der Dienst eher einer Erholung glich. Mit 1-2
stunden Tagesarbeit hatte er seine manuellen
Arbeiten beendigt und Zeit genug, sich auf
seine Diplomprüfungen vorzubereiten. Nach den
damaligen Normen waren nämlich 3 solche
strengen Prüfungen abzulegen, zwischen welchen
eine Mindestzeit von 3 Monaten eingeschoben
war. Nur ausnahmsweise, bei vorzüglicher
Prüfung ward eine kürzere Zwischenzeit
zulässig.
Gleich, nach der Entlassung aus dem
Militärdienst hatte sich Popp zur ersten
Prüfung gemeldet. Höhere Mathematik,
Vermessungskunde höhere Geodäsie waren die
Gegenstände. Popp hatte genügend Zeit zur
Vorbereitung und war in seinem Element: der
mathematischen Disziplinen. Dabei hatte er als
Hörer die Vorträge des Professor Krusper’s
über höhere Geodäsie niedergeschrieben,
redigiert und lithographisch vervielfältigt,
da ein Lehrbuch darüber nicht existierte. Es
war dies eine ganz vorzügliche Arbeit ohne
Fehler, die auch in zweiter Auflage erschien,
als Popp schon lägnst die Schule verlassen
hatte. Nachdem Popp alle Fragen tadelos
beantwortet hatte, stellte der prüfende
Professor Krusper - ganz ungewohnter Weise für
Ingenieurskandidaten - noch eine komplizierte
Frage aus der höhere Geodäsie. Auch diese
löste der Kandidat präzise und in tadelloser
Weise, so das der Professor - eine impulsive
Persönlichkeit* (Fußnote: Gelegentlich einer
Prüfung lies er seinen eigenen Sohn
durchfallen und fertigte ihn ab mit den
Worten: mein Sohn, geh nach Hause und sag’
deiner Mutter: du bist ein Esel.) - und ein
Gelehrter von Ruf - ausrief: Meine Herrn: Das
ist ein akademischer Vortrag! Während meiner
40jährigen Lehrtätigkeit war dies mein bester
Schüler und würdigster Nachfolger. Trat zum
Kandidaten, umarmte und küsste ihn im
Angesicht der ganzen Zuhörerschaft, die in
eine Huldigung ausbrach. Die Prüfungen waren
nämlich öffentlich und jeder hatte Zutritt.
Die ganze Prüfungskommission beglückwünschte
hierauf Popp zu seinem schönen Erfolg, der vor
Rührung ergriffen, nicht sprechen konnte. In
Vertretung des Ministers für öffentliche
Arbeiten war der damalige Staatssekretär Karl
Hieronymi zur Prüfung delegiert. Die
ungewöhnliche Szene hatte sichtlich auch auf
ihn einen tiefen Eindruck gemacht und er
behielt Josef Popp zeitlebens im Gedächtnis.
Das zweite und dritte Rigorosum legte Popp -
beide auch mit Auszeichnung - in je 6 Wochen
Zwischenzeit ab.
Ward dann Assistent an Polytechnicum, erst für
Eisenbahnbau, dann beim Professor Krusper für
Vermessungskunde, Als solcher betrieb er,
nebst seiner Amtstätigkeit, ein Jahr lang
astronomische Studien und bestimmte jeden Tag
die genaue Zeit, nach welcher sich die die
Uhren der Hauptstadt zu richten hatten. Nach
dem zweiten Szegediner Hochwasser, im Jahre
1881, trat er auf Veranlassung Hieronymis in
den Staatsdienst, ins Ministerium für
Öffentliche Arbeiten und wurde den großen
Regulierungsarbeiten zugeteilt, die im
Interesse des Hochwasserschutzes zur
Ausführung gelangten Indessen war dieser,
körperlich sehr beschwerliche Dients und die
damit verbundene, unregelmäßige Lebensweise
seiner Gesundheit nicht zuträglich, auch das
Sumpfklima nicht und nach einem Jahr verlangte
er sich in ein milderes Klima. so kam er nach
Fiume zu den dortigen Hafenbauten, dem
eigentlichen Felde seiner Tätigkeiten, wo er
mit einer kleinen Unterbrechung von 3 Jahren
über 30 Jahre verbrachte. Er hatte unter
andern den grossen Steinbruchbetrieb in
Prelucca zu leiten, den er ihn mustergültiger
Weise einrichtete und diese Einrichtungen auch
veröffentlichte. Während der Ministerschaft
des Alexander Hegedüs wurden die Arbeiten in
Fiume verringert und das Personal zum großen
Teil anderswo eingeteilt. so kam Popp nach
Beregsas als Bauamtschef und er glaubte schon
seine Tätigkeit in Fiume sei zu Ende. Indessen
es kam anders. Als Hieronymi im I. Kabinet
Tisza, Handelsminister wurde entwarf er ein
großzügiges Programm der öffentlichen
Arbeiten. Der Hafen von Fiume sollte
erweitert, zu diesem Zwecke 100 Millionen
Kronen verwendet erden.
Der damalige Vorstand des Hafenbauamtes,
Ministerialrat Anton Hajnal, fühlte sich der
großen Aufgabe gegenüber nicht mehr agil genug
und empfahl dem Minister Popp als feinen
Nachfolger. Dieser war dem Minister noch in
guter Erinnerung. Er wurde telegraphisch von
Beregsas ins Ministerium beordert. Dort teilte
ihm Hieronymi mit, weswegen er ihn rufen lies
und er rechnet auf seine Mitwirkung bei der
Verwirklichung seiner großen Pläne. Popp war
von diesem Antrag ein wenig überrascht und
meinte, er hätte sich in Beregsas schon
häuslich eingerichtet. Diese Rückverlegung
nach Fiume bedeutet für ihn ein materielles
Opfer, auch sei er in der Rangstufe - er war
Oberingenieur - gegen seinen Vorgänger in
Fiume weit zurück. Dem können wir gleich
abhelfen, meinte der Minister, lies Popp
sofort ausertourlich vorrücken und bewilligte
ihm eine Funktionszulage von jährlich 1000
Kronen, was für die damaligen Verhältnisse
eine ganz ansehnliche Summe war. Die Sache war
in einer Stunde abgetan und Popp ging als
Vorstand des Hafenbauamtes wieder nach Fiume.
Dort eröffnete sich ihm ein weites Feld der
Tätigkeit und eine fieberhafte Arbeit für ihn
setzte ein.
Es mussten die großen Investitionsarbeiten
projektiert werden, deren Durchführung
sogleich begonnen wurden. Er erbaute den Dock
von Porto-Ree, wo der erste Dreadnought der
Kriegsmarine, der „Szent Istvan“ gebaut wurde,
der dann im Weltkrieg versenkt wurde.
Zum Studium der Häfen am Rhein und der
Nordsee, ward er entsendet und legte seine
Erfahrungen in gründlichen Berichten mit
Zeichnungen versehen nieder, die er dem
Ministerium unterbreitete. Seine hervorragende
Amtsführung und die gründlichen Kenntnisse
fanden die volle Anerkennung seiner
Vorgesetzten und er wurde mit dem eisernen
Kronenorden ausgezeichnet.
Als der Fürst von Wied Regent von Albanien
wurde, trachtete er sein neues Land durch
technische Arbeiten der westlichen Kultur
näher zu bringen. Durch das Ministerium de
Äußern erbat er sich Ingenieure von der
ungarischen Regierung. Popp wurde entsendet,
um ein Projekt für den Hafen von Valona zu
verfassen und war längere Zeit in Albanien. Er
hatte das Projekt verfasst, aber auch die
Krankheit sich zugezogen, an der er lange Zeit
laborierte, der er schließlich erlag.
Nach dem Zusammenbruch und den Verlust von
Fiume zog er mit seiner Familie nach Budapest
und ward in den Ruhestand versetzt. Heute sind
es drei Jahre, dass er seine Augen für immer
schloss. Er hatte ein harmonisches Leben
geführt, voller Arbeit in treuer
Pflichterfüllung und war ein leuchtendes
Beispiel dessen, was die gute Schule und die
Erziehung vermag. An seinem Beispiel soll sich
unsere Jugend erheben. Er war mir ein treuer
Freund und diese Zeilen sollen seinem Andenken
gewidmet sein.
|
Dem
Andenken Friedrich Ferchs
In Hatzfeld kannte jeder, aber auch in
Temeschburg kannten viele den hageren,
hochaufgewachsenen Mann mit dem
durchgeistigten Gesicht und der großen
Diplomatenbrille. Seine Wiege stand in
Bogarosch, wo er vor sechzig Jahren als
vielverheißender Sproß der im ganzen Banat und
auch darüber hinaus bekannten und berühmten
Familie Ferch das Licht der Welt erblickt
hatte. Diese schenkte unserem Volke neben
anderen wertvollen und vortrefflichen Menschen
auch mehrere Künstler von Rang und Bedeutung.
Es sei da bloß auf die drei Kunstmaler Ferch
hingewiesen, deren Name heute auch in
Deutschland einen guten Klang hat.
Friedrich Ferch widmete sich der Beamten- und
dann der kaufmännischen Laufbahn, zuerst in
Budapest und dann in Hatzfeld und Temeschburg.
Der künstlerischen Ader ermangelte auch er
nicht, wie sozusagen in jedem Ferch ein
Künstler vorhanden ist, der je nach Begabung
und Entwicklungsmöglichkeiten in Erscheinung
tritt. Er war jahrelang mit heller
Begeisterung und glühendem Eifer am Werke,
der schwäbischen Heimatkunst zu dem ihr
gebührenden Rechte zu verhelfen. Da seine
Stärke auf dem Gebiete der Propaganda lag,
fiel ihm seine selbstgewählte und selbstlose
Tätigkeit im Dienste unsrer arteigenen und
bodenständigen schwäbischen Kunst durchaus
nicht schwer. Freilich krönte auch seine
Arbeit kein Erfolg, wie ja auch alle anderen
keinen oder nur ganz unbedeutenden Erfolg zu
verzeichnen haben, die sich darum mühen,
unsrer Heimatkunst die ihrem Werte und ihrer
Bedeutung entsprechende Geltung zu
verschaffen.
Er führte eine gewandte und saubere Feder. Die
kühle und herbfrische Heideluft atmenden
Aufsätze, die er uns in seinem vor etwa
fünfzehn Jahren im Verlag der Temeschburger
Schwäbischen Verlagsaktiengesellschaft
erschienenen „Heiderösleinstrauß", den er
seiner Heimatgemeinde Bogarosch widmete,
hinterlassen, geben Zeugnis von seiner schönen
schriftstellerischen Begabung. Im übrigen
aber war er längere Zeit hindurch auch
Propagandaleiter der „Werkgemeinschaft
schwäbischer Künstler und Kunstfreunde*, für
deren Aufblühen und Gedeihen er sich mit allen
seinen Kräften, aber leider vergeblich
eingesetzt hatte, da das Kunstempfinden
unseres Volkes erst im Entwickeln begriffen
und demzufolge auch sein Kulturbedürfnis
gleich null ist.
Zeit seines Lebens blieb er ein Einsamer und
Verkannter. Das Schicksal war ihm nicht hold
und am allerwenigsten ein freigebiger Gönner.
Es rüttelte und schüttelte ihn vielmehr
mitunter wie der Sturmwind eine auf kahler
Höhe einsam und verlassen stehende Tanne. Das
Leben verschloss ihm die Pforte zum voll
gedeckten goldenen Tische seiner Freuden und
Genüsse. Er musste sich mit wenigen trockenen
Brosamen begnügen. Und er mußte sich beugen
unter das harte und erdrückende Joch des
Leides und der Qual, da sein ganzes Dasein
unter einem unheilvollen Sterne stand. Sein
graues und eintöniges Los war Enttäuschung und
Entsagung. Wollte seine kraftgeladene Seele
den Himmel stürmen, so erinnerten ihn seine
körperlichen Gebrechen immer wieder daran,
dass er ein Knecht dieser Erde sei und ihren
Fängen und Krallen nicht zu entrinnen vermag.
Trotzdem verlor er niemals den Mut und er gab
auch niemals die Hoffnung auf eine Besserung
seines elenden körperlichen Zustandes und
seiner wirtschaftlichen Lage auf, die alles
eher denn als eine rosige gewesen.
Bis dann das traurige und erschütternde Ende
kam. Wohl war sein Körper schon sein Jahren
nur noch ein Wrack, dennoch wollte seine
heimwehwunde Seele ihre Ruine nicht verlassen.
Sein Wille zum Leben war zu stark, als daß es
dem Tode gelungen wäre, ihn durch einen
einzigen Anlauf zu fällen. Dafür aber senkten
sich die Schatten menschlicher Verzweiflung
und menschlichen Jammers auf seinen Geist.
Immer dichter und drückender. Er ächzte und
seufzte unter ihnen, gab aber den Kampf gegen
sie nicht auf. Dennoch sollten sie sich als
die Stärkeren erweisen. Sie wanden einen
Strick und drückten ihm ihn in die graugelben,
zitternden Hände. Und in einem Augenblick
völliger geistiger Unzurechnungsfähigkeit hat
sich Friedrich Ferch den Strick um den Hals
gelegt.. Nun ruht er auf auf dem Hatzfelder
Gottesacker von seines Lebens Mühsal und
Bürde.
Er wird betrauert von seinen
Familienangehörigen und Kameraden, die ihm
stets ein ehrendes Angedenken bewahren.
Lieber Fritzi, schlafe
wohl!
Peter Jung.
Samstag den 22. Juli
1939 - Banater Deutsche Zeitung
- Seite 5
|
Mathias
Ferch - Domherr und päpstlicher Prälat - Und
wieder verkündeten die Glocken unserer Stadt
die Trauerbotschaft von dem Ableben eines
unserer besten Seelsorger. Ihre Klänge galten
dem Pfarrer des ersten Bezirkes Abtdomherrn
Matthias Ferch, der gestern nachmittags mit
dem heiligen Sakrament der letzten Oelung
versehen, im Sanatorium der Krankenschwestern
vom Heiligen Franz von Assissi in Ofen
gestorben ist.
Am 12. August 1869 in Bogarosch,
wo sein Vater Kaufmann und Postmeister war,
geboren, war es schon als Kind sein
sehnlichster Wunsch, Priester zu werden.
Trotzdem er noch sieben Geschwister hatte,
konnte er die Mittelschule in Arad besuchen
und nachdem er hier die Reifeprüfung bestanden
hatte, ließ er sich an der theologischen
Fakultät der Universität in Ofenpest
einschreiben. 1893 legte er das
Rigorosum aus Bibelstudien, orientalischen
Sprachen, Kirchengeschichte und Kirchenrecht
ab, am 6. Juli des desselben Jahres wurde er
in Temeswar von Bischof Dessewssy zum Priester
geweiht. Als 24-jähriger ging er als Kaplan
nach Detta, von wo er jedoch schon im nächsten
Jahr als Studienpräfekt in das hiesige Seminar
abberufen wurde. Von 1895 bis 1900 lehrte er
am Seminar Bibelkunde, deutsche Sprache und
Kirchengeschichte und ein Jahr lang (1895-96)
auch Katechetik, von 1900-1926 unterrichtete
er Kirchengeschichte und Kirchenrecht, sowie
- allerdings nur im Jahre 1902 -
Soziologie und Kunstgeschichte. Das Lehramt
versah er nach vier Jahren Unterbrechung
wieder von 1930-1935, als er christliche Moral
und praktische Seelsorge lehrte. Insgesamt
stand er 72 Semester am Katheder, wobei zwei
Drittel unserer Priester zu seinen Schülern
zählte.
Die Verdienste, die Matthias Ferch sich schon
in den ersten Jahren seiner
Professorentätigkeit erwarb, das umfassende
Wissen, der nie erlahmende Pflichteifer und
das vorbildlich priesterliche Wirken trugen
ihm außerdem auch noch verschiedene andere
bürdenreiche Ämter ein. Im Jahre I960 wurde er
zum Mitglied der Prüfungskommission für die
Theologieprofessoren an den Mittelschulen
ernannt. 1902 wur wurde er Diözesanzensor,
1905 Mitglied der Pfarrprüfungskommission,
1908 Senior der theologischen Fakultät. Von
1904 an vertrat er die Armen beim
Kirchengericht und war Mitglied der
Kommission für die Reform des Kirchengesanges,
ab 1910 Anwalt des Diözesangerichtes und
Präses der Kantorbefähigungsprüfung, welche
Stelle er sowohl in der staatlichen, wie auch
in der konfessionellen Lehrerbildungsanstalt
bekleidete. Zum Konsistorialrat in 1908
befördert, wurde er in 1910 auch Pfarrer der
Inneren Stadt. Der Festungspfarre stand er 28
Jahre lang, bis zu seinem jetzt erfolgten Tode
vor. Im Jahre 1910 erhielt er auch die
Betrauung zum Direkor der Volksschule im
Innerstädter Kloster, in dem er zwei Jahre
später auch Direktor der Bürgerschule
und deren Katechet wurde. Wiederholt als
bischöflicher Vertreter an den Bürgerschulen
und Realgymnasien tätig, zog er 1913 als
gewählter Vertreter der Katholiken in den
Stadtrat, dem er bis 1919 angehörte und in
dem er von 1925 ab als Mitglied von Rechts
wegen eine segensreiche Tätigkeit entfaltete.
Im Jahre 1921 wurde er vom Ministerium zum
Militärgeistlichen ernannt. Die Würde des
Ehrendomherrn war ihm 1916 verliehen worden.
1920 wurde er geistlicher Rat. 1923 Titularabt
der Abtei Sankt Petri de Sagyo, 1924 Dechant
des Zentraldistriktes, 1925 Domherr und
nachdem er 1931 Mitglied des
Diözesanschulrates, 1932 aber Präses des
Disziplinarrates der konfessionellen
Lehrerschaft und der Kontrollkommission des
Lehrerpensionsfonds geworden war, wurde er im
verflossenen Jahr mit dem Prälatentitel
bekleidet. Prälatdomherr Matthias Ferch
trat in zahlreichen, mit meisterhafter Feder
geschriebenen Zeitungsaufsätzen für seine
Überzeugung ein. Zusammen mit
Theologieprofessor Dr. Alexander Kovacs
übersetzte er die Kirchengeschichte von Dr.
Hesele und Dr. Knöpfle in die ungarische
Sprache, womit er den ungarischen Theologen
ein Lehrbuch schenkte, das lange Jahre im
Gebrauch war.
Jede Minute seines Lebens stand im
Zeichen der Arbeit. Unermüdlich, unentwegt
verbreitete er die christliche Lehre. Er
lehrte die heranwachsende Priestergeneration,
verkündete den Gläubigen die Worte Christi,
war ein Streiter im Heere des Lichtes, der als
erster in die Bresche sprang und die gute
Sache zum Sieg führte. Mit tiefem Schmerz
vernahm man deshalb vor Jahren die Kunde von
seiner Erkrankung und tiefste Trauer erweckt
jetzt die Kunde von seinem erfolgtem Ableben.
Eine Kur in Abbazien, die er im Winter des
vergangenen Jahres mitmachte, mehrere Wochen
Aufenthalt im schönen Steierdorf, alle
ärztliche Kunst vermochten dem Kranken nicht
mehr die Gesundheit zurückzugeben.
In letzter Zeit befand er sich
bei den Krankenschwestern des Heiligen Franz
von Assisi in Ofenpest in Pflege, doch auch
sie konnten seine letzten Tage nur mehr
erleichtern, nicht aber verlängern. Die
letzten drei Wochen zeigte sich eine leichte
Besserung. Der Patient war fieberfrei. Gestern
vormittags traf bei der Aula die Botschaft
ein, dass das Fieber wieder auf 38 Grad
gestiegen sei, um 6 Uhr nachmittags
übermittelte das Telephon die schmerzliche
Kunde von dem Ableben. Prälatdomherr
Matthias Ferch hatte das heilige Sakrament der
letzten Ölung empfangen und erwartete gefasst
den Tod, den ein Blutsturz hervorrief. Sein
letzter Wunsch war, man möge ihn still in
Ofenpest zur letzten Ruhe bestatten.
An der Bahre trauern die Brüder
Josef Ferch, Kaufmann in Weidenthal und Fritz
Ferch, Leiter der Werkgemeinschaft
Schwäbischer Künstler, die Schwestern Luise
vereh. Laub, Hodschak (Jugoslawien), Fanny
Ferch, pensionierte Lehrerin in Hatzfeld,
Gisela vereh. Brosnek, Lehrerin in
Rakoschpalota, der Landesorganisator der KAF,
Rudolf Ferch und seine Brüder, die Kunstmaler
Andreas und Franz Ferch als Neffen, Notär im
Ruhestand Rudolf Ferch. Perjamosch, Dr. Julius
Ferch, Bezirksrichter in Hatzfeld, Dr. Josef
Ferch, Rechtsanwalt und Grundbesitzer in
Deta, Frau Dr. Johann Poth in Arad als
Geschwisterkinder, die Familien Rudolf Ferch,
Eisengroßhändler, Maximilian Ferch
Kommerzienrat, Adalbert Ferch, Zensor der
österreichischen Nationalbank, Dr. Werner
Ferch, in Graz, die Familie Matthias Ferch in
Ungarn, der Schwager Adam Schneider, in
Perjamosch, der Neffe Julius Schneider,
Apotheker in Rekasch, Frau Baumeister Andreas
Martin, Temeswar, und Frau Ladislaus Sathmari,
Lehrerin in Weidenthal, Frau Charlotte Ferch.
Lehrerin in Perjamosch, als Nichten, die
Neffen Friedrich Ferch, Beamter des Banater
Bankvereins Arad und Karl Ferch,
Oberbuchhalter der Deckerschen Hutfabrik in
Hatzfeld, Lehrer Franz Ferch,
Pribitschewitschewo (Jugoslawien). die große
Familie Ferch in Guttenbrunn und andere.
Die irdische Hülle des
unvergesslichen Toten, der sich ein bleibendes
Gedenken in den Herzen sicherte, wird in der
Domgruft bestattet. Der Sarg trifft morgen,
Mittwoch abends, um 9 Uhr aus Ofenpest hier
ein. Der Dahingeschiedene wird in der
Domkirche aufgebahrt, wo Donnerstag vormittags
10 Uhr die Trauerzeremonie stattfindet.
(Banater Deutsche Zeitung, v.
Mittwoch, dem 9. Feber 1938 - S. 4.)
Eine charakteristische Äußerung
über die Toleranz in "seiner" Stadt möge hier
zum Abschluss folgen: " ... Weit über 40 Jahre
bin ich hier, seit gleicher Zeit mit Bischof
Dr Augustin Pacha tätig; beide sind wir die
ältesten katholischen Priester, die
ununterbrochen in dieser Stadt arbeiten, und
ich gestehe, als ich aus Arad hierherkam,
fühlte ich mich nicht recht wohl; dort schien
das Leben abwechslungsreicher. Bald aber
konnte ich das Leben, die Leute und die wahren
Werte hier schätzen lernen. Originelle Leute,
waschechte hiesige Bürger! Alles hielt
zusammen: Katholiken, Nichtkatholiken, Juden -
Bürger verschiedenen Ursprungs und Herkunft,
verschiedene Nationalitäten und Religionen,
sie standen wie ein Mann, wenn von dieser
Stadt die Rede war. Und ich gestehe: ohne
diese Stadt kann ich mir das Leben nicht
vorstellen! Mögen alle Bewohner dieser Stadt,
nach dem traditionellen Muster alle
Unterschiede beiseite lassend, sich
zusammenschließen; für das Wohl der
Gemeinschaft, für das Aufblühen dieser Stadt,
in welcher uns die göttliche Vorsehung unser
Tätigkeitsfeld einräumte... Jeder, der einmal
in die Atmosphäre unseres ,Alt-Temesvars'
gelangte, war davon immer bezaubert ...
"
(Bela Schiff: Unser "Alt Temesvar". Der
erste Teil. Timisoara: Sonntagsblatt 1937,
S. VII-VIII.).
|
Weil
man einander
braucht - Oder warum der
Kovacs-Lehrer in Bogarosch 100 Jahre alt
werden will - von Walter
Konschitzky
Zu
jeder Kerwei, die in Bogarosch abgehalten
werden soll, erreicht uns schon Wochen vorher
eine Einladung. Beigelegt ist ihr die Liste
mit allen Daten zum anstehenden Kerweibericht:
wer die Vortänzer sind, die Geldherren, welche
Musikkapelle aufspielt; beigelegt sind auch
die Sprüche, die gesagt werden. Auch fehlt der
Hinweis nicht, mit welchem Zug man am besten
kommt - kurz, alles ist angeführt, was man
wissen sollte, um für's erste eingeweiht zu
sein. Auch wird mitgeteilt, dass "der
Pressedienst der Kerweijugend" die Redakteure
am Bahnhof erwartet. Es zeichnet: Lehrer i.R.
Andreas Kovacs.
Und
der "Pressedienst" ist dann auch wirklich
zur Stelle - Lehrer Kovacs. Er ist's. Seit
vielen Jahren hält er es so, und er führt
die Gäste ins Dorf, klärt auf über das, über
jenes, fragt, was es da und dort Neues gibt,
ein helles Interesse ist dabei nicht zu
verkennen.
Dann stellt er uns der Kerweijugend vor,
dann aber muß er eiligst weiter, es gibt
noch so manches zu tun, noch viele Gäste
sind zu begrüßen... Es muß alles seine
Ordung haben, und für die fühlt er sich
mitverantwortlich. Seit wann den schon?
Ein
Lehrer - ein Beispiel - "Ich bin seit 1909
in Bogarosch, seit 67 Joh bin ich do" begann
er in seiner gefälligen Erzählweise mit der
Geschichte seines Lebens, als wir ihn vor
einigen Wochen besuchten. Zuerst wollte er
nichts über sich sagen, doch als er über
Bogarosch erzählte, kam er auch nicht ganz
umhin, es doch zu tun. Seit 67 Jahren also,
und tatsächlich gibt es in seinem
Arbeitsbuch nur eine einzige Eintragung:
Lehrer in Bogarosch. "Ich bin daher
gekommen, ja, und damals waren 14 Kandidaten
fir die Lehrerstelle im Dorf, aber nur einer
hatte lauter Einsen im Diplom. So bin ich
Lehrer wordn do in Bogarosch. Ich bin aus
Pesak, war a armes Kind, hab awer doch Glick
ghat! In Semiklosch war nämlich a Direktor
in dr Birgerschule, ein gewisser Suck Anton,
der hat so Fleh ghat, armi, begabti Kiner zu
unterstitzn. De Schuldiener hat im August
misse hausiere gehn fir arme Kinder. Aso, no
hab ich sieben Häiser ghabt, jedn Tag hab
ich woanderst gegessn, un so hab ich vier
Jahre glebt in Semiklosch. Un ich bin immer
prämiert wordn, und wie ich die vierte
Klasse absolviert hab ghabt, hab ich 15
Kronen bekommen in Gold. Mit dem hab ich
mich ein bissl angekleidet und bin nach
Temesvar in die Lehrerpräprandie. Ich hab
nitmal Geld ghabt fir die Bücher zahln!...
Dann am 29.Juni 1909 hat der Direktor Josef
Amberg die Diplome ausgeteilt und hat uns
verabschiedet, so: "Ich entlasse Euch ins
Leben, aber das eine, das müßt Ihr
beherzigen: Ihr müßt dem Volk, in dessen
Mitte ihr lebt dienen! Das Volk hat durch
die Kinder zu Euch mehr Vertrauen als zu
Richter und Notär!" - Un in dem Sinne hab
ich gelebt, un leb heite noch. Ich hab nit
nor for die Schul gearweit - for's ganzi
Dorf!"
Lehrer Kovacs ist 87 und möchte in seinem
Bogarosch im Kreise seiner Bogaroscher gern
100 werden, am liebsten sogar noch drüber.
Wie viele Schüler durch seine Hände gegangen
sind? Es werden wohl gut über 2000 sein.
Aber er kennt jeden, wo immer er leben mag,
er weiss, was aus jedem geworden ist, wie er
lebt, er kennt das Schicksal jedes einzelnen
und hat beigetragen, dass mancher vom
Schicksal nicht niedergedrückt wurde.
Zwei Kriege hat er als Lehrer im Dorf
erlebt, und was dabei nicht alles gesehen!
"Ich war kriegsdienstuntauglich, ich bin
dageblieben. Wenn was war sind die Leute
gekommen: "Herr Lehre, was mache mer? Herr
Lehre, was fange mer an?" Ich hab halt gsagt
so oder so, hab sie beruhigt, hab sie
getröstet, hab sie ermuntert. Aber wenn
Trauernachrichten von der Front kamen - das
war das Schwerste. Ich hab für die Mütter in
zwei Kriegen Briefe ins Feld geschrieben,
und die Leute haben das nicht vergessen,
heute noch danken sie mir. Eine junge Frau
ist mal verzweifelt zu mir gekommen und hat
gebitt: "Herr Lehre, helft mer, ich mecht so
gere mit meim Mann zammkumme, un wann's no
een Tach is!" Also, ich hab gschrieb an sei
Kommandant, un der hat ihm paar Täch Urlaub
gebn. Na un no? No war aa bal um een Kind
mehr im Dorf"
Eemol um de Äquator - Er hätte es auch
leichter haben können, vor allem als die
Zeiten der Kriegsnot vorbei waren, sagen die
Leute im Dorf, denn nicht jeder Lehrer hat
gehandelt wie er, selbst wenn er im Dorf
geblieben war. Er hat es sich aber nicht
leicht gemacht, weil er etwas auf sich
genomen hatte und weil er, wie heute immer
noch, ohne eine Aufgabe, ohne eine
Mitverantwortung für die Gemeinschaft, in
der er seit so vielen Jahren wirkt, nicht
leben kann. Das kann kein leeres Wort sein.
Was
tun Sie denn so den ganzen Tag über? frage
ich. "Na bittscheen, zum Beispiel heit: Do
setz ich fir'n Professor Bräuner etwas auf
über Peter Strebl. Soll ich lese? Also:
Peter Strebl, geboren im Jahre 1843 in
Bogaroschund gestorben im Jahre 1916 im
Alter von 73 Jahren. Er war in Bogarosch
eine führende Persönlichkeit. Schon als
29jähriger war er im Jahre 1872 Richter der
Gemeinde. Diese Stelle hatte er auch in
Jahre 1884 inne. Er war ein Mitbegründer des
Schwäbischen Landwirtschaftsvereins, und als
im Jahre 1885 die Ortsgruppe dieses Vereins
ins Leben gerufen wurde, wurde er als Präses
gewählt. Wegen seiner Tüchtigkeit als
Richter der Gemeinde und als Präses des
Bauernvereins wurde sein Bildnis im Rahmen
einer Feierlichkeit im Vereinslokal
enthüllt. Asta-i, das ist eines. Dann hab
ich noch zwei Gesuche zu mache fir ältri
Leit, dann muss ich ins Dorf gehn..." Warum
denn? "Na ich muß doch jede Tach eemol ins
Dorf gehn, die Runde mache, mit die Leit
rede, schaue was es noch gibt!"
Ich
entsinne mich der Worte von Adam Haupt,
einem Bogaroscher, Oberbuchhalter des SLB
Grabatz; er hatte mal gesagt, dass "was de
Kovacs-Lehre in seim Lewe gschrieb hat, geht
bestimmt eemol um de Äquator rum!" Stimmt
das? "Ich war Schriftfiehrer beim
Bauernverein, Schriftfiehrer beim
Gsangsverein, Schriftfiehrer beim
Gewerbeverein, dann han ich do noch gholf,
dort noch gholf... Awer hert doch mol uf,
ich mich do jo lowe, un des brauch och doch
net! Wer will sich dann wichtich mache? Ich
nit, ja des un des han ich gemach un
fertich!" Unvermittelt bricht er seine
Mitteilungen über sich selbst ab, und nur
über Umwege kommen wir wieder aufunser
Gespräch zurück, als ich die Rede auf den
"Pressedienst der Kerweijugend" bringe.
Jetzt lacht er, wie er immer lacht, wenn von
der Jugend oder den Kindern die rede ist.
"Ja", sagt er, "das ist so meine Sache,
jemand muß sich doch auch mit der Presse
beschöftigen. Ja, un dann sin jo aa noch
genuch anri Sache, mit dene sich jemand
abgin muß im Dorf."
Freilich. Da ist zum Beispiel auch das
Kriegerdenkmal in der Dorfmitte (sic!), das
Mahnmal an die traurigsten Zeiten, die
Marmortafel mit den Namen der Gefallenen im
ersten Weltkrieg. "Nun haben wir auch eine
Tafel mit den Namen der Gefallenen aus dem
zweiten Weltkrieg angebracht", das sei die
Gemeinschaft, wenn sie zueinander steht,
ihnen und sich selbst schuldig, sagt er. Was
waren das für Tage, als diese jungen Laute
fort sind ins Ungewisse, an die Front, was
waren das für Jahre, in denen die Briefe "
Gefallen ... " eintraffen, erinnert er sich,
und die Erinnerung tut ihm weh. "Alle waren
sie meine Schüler hier im Dorf. Sehen Sie,
ihre Eltern leben noch da, ihre Kinder ...
aber wo ihre Gräber sind, wissen die meisten
nicht... irgendwo muss ihrer doch gedacht
werden. Wir glauben, dass da, in Bogarosch,
wo sie zu Hause waren, da müßen wir ihre
Namen auf das Mahnmal schreiben, auf dem
auch die ihrer Väter und Großväter stehen."
Und es sind nicht wenige, auch ihnen gilt
die Sorge des alten Lehrers.
Ein
Kapitel Dorfgeschichte - In welchem Bereich
des Dorflebens ist er nicht präsent? Als er
vor vielen Jahren in den Ruhestand trat,
stellte er sich zur Aufgabe, das
Gemeindearchivin Lenauheim für die Dörfer
Lenauheim, Bogarosch und Grabatz zu sichten.
Tausende, vielleicht Zehntausende Stücke
Papier gingen durch seine Hände, wurden mit
Interesse gelesen, mit Sachkenntnis
übersetzt, mit Sorgfalt geprüft, geordnet
und gehortet. Mehrere Jahre nahm diese
Arbeit in Anspruch. Nun arbeitet er an
seinen dicken Mappen, die täglich,
stündlich, auf dem laufenden gehalten werden
sollen. Was sind das? In ihnen ist all das
Wissenswerte über das Dorf und über das
Banat überhaupt verstaut, dem er im Alltag,
in der Presse begegnet. Als erstes galt es,
die vielen Informationen zur Dorfgeschichte
den Bewohnern zugänglich zu machen.
"Streiflichter aus der Gemeinde" steht auf
einem Band, und was er enthält, ist
tatsächlich eine Monographie. Er sagt: "Zum
Beispiel", und beginnt im Kapitel
"Kulturelles" zu lesen: "1895 fand die erste
grosse Kulturveranstaltung statt. Vorher,
gleich nach der Gründung von Bogarosch 1779
hat sich die Kulturtätigkeit in der grossen
Rossmühle abgewickelt. Dort sind die
Dorfbewohner zusammengekommen, dort haben
sie zusammen Nachtmahl gegessen, die Frauen
spannen und sangen, die Männer, die Jugend
unterhielten sich auf ihre Weise, oft wurde
aus der Zeitung vorgelesen, weil damals noch
nicht jedes Haus eine Zeitung hielt. Es
wurde sehr viel gesungen..." Vielen wird
diese Information aus dem Dorfleben von
früher neu sein. Wie diese aber finden sich
noch unzählige bei Lehrer Kovacs
festgehalten für die Leute von heute wie für
die Nachwelt.
In
einer anderen Mappe sind die Artikel,
Reportagen und Berichte über Bogarosch und
auch die schönsten über das Banat im ganzen
untergebracht - für sich schon eine
Monographie, die Geschichte unserer Tage.
Eine weitere Mappe aber zeigt er mit
besonderem Stolz, "Volksfeste" steht auf ihr
geschrieben. Da ist alles drin, was -
beispielsweise - über die Kerwei in
Bogarosch in Bogarosch zu erfahren ist,
ausserdem alle Nachrichten über Volksfeste
im Banat, die in der deutschsprachigen
Presse das Jahr hindurch erscheinen, sind
enthalten, die Zahl der teilnehmenden Paar
angemerkt und an jedem Jahresende die
Gesamtziffer ausgerechnet; da sind
Fotografien aus allen Dörfern, aus denen er
welche erreichen konnte. Ihm gefällt die
schwäbische Tracht, sie zählt zu den
schönsten, die er überhaupt kennt! Und da
sind auch die Kerweisprüche, von denen er
weiss, dass sie in Bogarosch gesagt wurden,
abgeschrieben. Aus einem zitiert er die
letzte Strophe:
"Es
gibt für uns nur eine Heimat,
die
sei für alle Zeit bekannt:
Es
ist Banat, der Ort Bogarosch,
an
den uns kettet festes Band!"
Er
begleitet mich bis ans Tor des kleinen
Hauses, in dem er allein, seit vielen,
vielen Jahren allein wohnt. Auf der Strasse
hat er viele hundert vertraute Gesichter um
sich, man grüßt ihn, man fragt ihn nach
seinem Befinden, man wünscht ihm Gesundheit,
man kommt zu ihm. Und in seinem Zimmer, in
seinen Mappen hat er ganz Bogarosch von
gestern und heute um sich, und in einer
sogar das ganze Banat!
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Helen
Alba - Mundartschriftstellerin - Seit
1990 keine Pipatsch ohne sie: Helen Alba,
geborene Kling ("'s Helli vun Bogarosch")
wurde am 25. April 1950 in Bogarosch geboren,
wo sie eine glückliche Kindheit verbrachte,
nach Abschluß der 8 Klassen - Allgemeinschule
in Bogarosch besuchte sie das
Lyzeum Nr. 2 (heute Nikolaus Lenau Lyzeum) in
Temeswar.
Seit 1972 verheiratet mit Simion Alba, hat sie
zwei Kinder: Simona (Pforzheim) und Claudio
(Regensburg). Von 1970 bis 1990 arbeitet sie
als Motorenwicklerin bei Electromotor
Temeswar, 1990 bis 2008 - nach Lehrgängen in
Nürnberg, Frankfurt - als Journalistin
bei der Banater Zeitung. Im Jahre 2008
erfolgt der Eintritt in den Ruhestand; bis
heute ist Helen Alba jedoch Gestalterin der
Mundartseite Pipatsch.
Von 2009 bis 2018 war sie die Vorsitzende des
Demokratischen Forums der Deutschen in
Temeswar, zurzeit bekleidet sie das Amt der
stellvertretenden Vorsitzenden.
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Derhem
Dort, wu mich e jeder kennt,
wu oft mei Name werd genennt,
sin ich derhem, des is gewiss,
grad wann´s hinerm Owe is.
Dort, wu die Leit noch schwowisch
rede,
wu an manchem Dorfrand wachse
Klette,
is mer am heemlichscht, kumm ich
zurecht
un ke Hemweh in der Bruscht mer
stecht.
Dort, wu getanzt git un aach
gsung,
wu Schwoweleit sich fiehle immer
jung,
is mer alles so vertraut, kenn
ich jede Steen,
vill Mensche, jung un alt, aach
groß un kleen.
Dort, wu´s Rindspaprikasch gut
schmeckt,
dass mer sich e jede Finger gar
ableckt,
wu die Speck is rot durchfurcht
un handebreet,
fiehl ich prompt: mei Herz
schlaat uf der Heed!
Dort, wu die meischte Leit sin
pumplgsund,
wu ihne is die Welt ganz heel un
rund,
dort sin ich glicklich, froh un
heiter.
Drum schreib ich aach mei Gsetzle
weiter!
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Was tun?
Es dreht
sich das Mädel,
Es dreht sich der Bursch: es
drehen sich die Zeiger der Uhr.
Es blühen Vergißmeinnicht auf ihren Gräbern
und neue Winter ziehen ins Land.
Es dreht sich der Zeiger, fast steht er auf
zwölf: und du, du ... ?
Was nun?
Was tun?
Rette, was noch zu retten ist!
(Im Volkskundelager, 6.
August 1977 veröffentlicht in
"Budapester Resonanzen", Budapest 1987)
Nelu Brâdean-Ebinger
Linguist,
Hochschullehrer, Dichter
Die Leistung ist des
Menschen Wert,/ und niemals ist es
umgekehrt". Diesen Sinnspruch des
Heimatdichters Peter Jung hat sich der
Abschlussjahrgang 1971 des deutschen
Klassenzugs des Hatzfelder Lyzeums als Motto
für sein Absolvententableau ausgesucht. Zu
den 34 Abiturientinnen und Abiturienten
dieses Jahrgangs, die aus Hatzfeld und elf
weiteren Banater Ortschaften stammten,
zählte auch Bradean Nelu - wie unter seinem
Porträtfoto steht. Nelu Bradean-Ebinger, wie
er sich heute nennt, ist ein international
anerkannter Sprachwissenschaftler,
Hochschullehrer in Budapest und Miskolc und
einer der bekanntesten ungarndeutschen
Autoren. Seit nunmehr fast vier Jahrzehnten
lebt er in Ungarn, wo er eine erfolgreiche
akademische und wissenschaftliche Laufbahn
einschlagen konnte und - getreu dem
Absolventenmotto von 1971 - beachtenswerte
Leistungen erbrachte.
Nelu Bradean-Ebinger
wurde am 22. Juli 1952 in Arad geboren.
Aufgewachsen ist er in Bogarosch, auf der
Banater Heide, wo sich seine Vorfahren
mütterlicherseits, die aus dem Oberrheinland
stammenden Ebingers, bei der Ansiedlung 1769
niedergelassen hatten. Sein Name deutet auf
eine weitere ethnische Wurzel hin, nämlich
auf die rumänische väterlicherseits. Darüber
hinaus hatte er noch eine ungarische
Großmutter und eine serbische Urgroßmutter.
In Bezug auf seinen Vornamen Nelu, „die
rumänische Koseform von Ioan, deutsch Hansi,
ungarisch Janika", schreibt Bradean-Ebinger
in seinem sehr bemerkenswerten Essay
Bekenntnisse eines Mitteleuropäers: „Zu
Hause rief man mich mal Hansi, mal Nelu, bis
dann der letztgenannte (…) zu meinem
offiziellen Vornamen wurde. Seitdem steht
er, dieser niedliche Kosename, (…) in allen
meinen Papieren. Ich habe ihn so
liebgewonnen, dass ich ihn niemals hergeben
werde, trotz vieler Aufforderungen ihn zu
verdeutschen oder zu magyarisieren". Nomen
est omen: Bradean-Ebinger bekennt sich zu
seiner gemischten ethnischen Herkunft und
zur deutsch-rumänischen Zweisprachigkeit,
die ihn von Kindesbeinen an begleitet hat.
„… meine Muttersprache ist aber die Banater
schwäbische Mundart", gesteht er. In
Bogarosch besuchte er die achtjährige
Grundschule mit deutscher
Unterrichtssprache, 1967 erfolgte dann der
Wechsel ans Hatzfelder Lyzeum, wo er 1971
das Abiturdiplom erwarb.
Nach dem Abitur nahm
Bradean-Ebinger das Studium der Germanistik
und Finnougristik an der Universität
Bukarest auf. 1972 besuchte er die
Sommeruniversität in der finnischen Stadt
Lappeenranta in Südkarelien. Mit einem
internationalen Stipendium kam er noch im
selben Jahr nach Budapest ins renommierte
Eötvös-Kolleg. „In Budapest verlor er dann
sein ‚ganzes Herz' an diese alte
Donaumetropole, so dass er sich 1972 (…) für
immer hier niederließ. 1980 nahm er auch die
ungarische Staatsbürgerschaft an (…). Er ist
sozusagen der allerletzte schwäbische
Einwanderer nach Ungarn, aber nicht aus dem
Westen, sondern seltsamerweise aus dem
Osten, ex oriente lux, wenn man so möchte",
befindet der aus Siebenbürgen stammende und
in Köln lebende Schriftsteller Ingmar
Brantsch, ein guter Kenner und Förderer der
ungarndeutschen Literatur.
An der altehrwürdigen,
1635 gegründeten Eötvös-Loránd-Universität
zu Budapest (Eötvös Loránd Tudományegyetem,
kurz ELTE) studierte Nelu
Bradean-Ebinger Hungarologie,
Finnougristik und Allgemeine Germanistik
(Skandinavistik). 1978 machte er sein
Staatsexamen und zwei Jahre später
promovierte er an der ELTE bei Professor
Hajdu Péter zum Dr. univ. (doctor
universitatis) mit einer Arbeit über die
nordisch-lappischen Sprachbeziehungen. Nach
einer mehrjährigen Aspirantur am Institut
für Sprachwissenschaft der Ungarischen
Akademie der Wissenschaften wurde ihm 1985
der wissenschaftliche Grad „Kandidat der
Sprachwissenschaft" (candidatus scientiarum,
Abk. CSc.) verliehen, der dem akademischen
Grad eines PhD (philosophiae doctor, Doktor
der Philosophie) entspricht. Seine
Kandidatur-Dissertation Sprachkontakt und
Zweisprachigkeit im Fennoskandinavien.
Soziolinguistische Aspekte der
Zweisprachigkeit im nördlichen Areal ist
1991 im Druck erschienen.
Nelu Bradean-Ebinger hat
nach seinem Examen 1978 die akademische
Laufbahn eingeschlagen, die in seinem Fall
aufs engste mit der Budapester
Corvinus-Universität (Budapesti Corvinus
Egyetem, kurz BCE) verknüpft ist. Am
Spracheninstitut dieser Universität
durchlief er die einzelnen Stufen der
akademischen Karriere, angefangen vom
Hilfsassistenten und Assistenten über den
Adjunkt bis hin zum Dozenten (1987). Als
Universitätsdozent war er am Lehrstuhl für
deutsche Sprache tätig, dem er von 1989 bis
2005 auch vorstand. Im Jahr 2000
habilitierte er sich an der Universität Pécs
(Pécsi Tudományegyetem). Infolgedessen wurde
ihm die Lehrbefugnis erteilt und sein
Doktorgrad um den Zusatz habil.
(habilitatus) erweitert. Die
Habilitationsschrift Deutsch im Kontakt als
Minderheits- und als Mehrheitssprache in
Mitteleuropa.
Seit 1992 lehrt Nelu
Bradean-Ebinger auch an der Universität
Miskolc, wo er den Lehrstuhl für
germanistische Linguistik gründete und bis
1998 auch leitete. Im Jahr 2002 verlieh ihm
die Geisteswissenschaftliche Fakultät dieser
Hochschule in Anerkennung seiner Verdienste
um die Germanistik in Miskolc den Titel
eines Privatdozenten (egyetemi magántanár).
Seit Anfang der 1970er
Jahre schreibt Nelu Bradean-Ebinger
Gedichte, Kurzprosa und Essays. Er begann
schon während seiner Gymnasialjahre in
Hatzfeld zu dichten und debütierte als
deutschsprachiger Lyriker 1970 in der „Neuen
Banater Zeitung" (Temeswar) und in der
Bukarester Zeitschrift „Neue Literatur".
Seine literarischen Schöpfungen sind in
verschiedenen Periodika und Anthologien
sowie in drei selbständigen Bänden
veröffentlicht. Als erster erschien der
Gedichtband Budapester Resonanzen. Lyrische
Gedanken in einer Minderheitensprache
(Budapest, 1986). Die beiden folgenden Bände
enthalten jeweils Gedichte und Essays und
sind zweisprachig: Auf der Suche nach ...
Heimat / Hazakeresoben (Budapest, 1995) und
Bekenntnisse eines Mitteleuropäers / Egy
közép-európai ember vallomásai (Budapest,
2001). Im Jahr 1999 hat Bradean-Ebinger
einen dreisprachigen,
deutsch-ungarisch-slowenischen Gedichtband
des Kärntner slowenischen Schriftstellers
Janko Messner (geb. 1921) herausgegeben und
mit einem Nachwort versehen. Er gehört dem
Verband Ungarndeutscher Autoren und Künstler
(VUdAK) an.
Walter Tonta
(Hatzfeld)
/ Nelu
Brâdean-Ebinger
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